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Tätigkeitsbericht 2016 Inhalt
 
Vorwort des Verwaltungsratspräsidenten

Am 1. Januar 2017 trat das revidierte Gesetz über die Organisation des sanitätsdienstlichen Rettungswesens in Kraft. Dies wirkte sich auf die Rechtsform der KWRO aus: Statt eines Vereins ist sie neu eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt. Dadurch ist sie unabhängiger und weniger Druck ausgesetzt. In der alten Vereinsform gab es einerseits Mitglieder, die unverhältnismässig viele Stimmen hatten, was einem geordneten Ablauf nicht immer förderlich war. Andererseits verfügte der Staat Wallis als Hauptfinanzierer über ein verschwindend kleines Stimmrecht. All dies wurde nun korrigiert und die KWRO kann ihren Aufgaben und Zielen ohne äussere Einflüsse nachgehen.

Doch egal, ob Verein oder öffentlich-rechtliche Anstalt: Es kommt in erster Linie nicht auf die Rechtsstruktur, sondern auf die Menschen an. Wenn ich sehe, auf welche kompetenten Mitarbeitenden die KWRO zurückgreifen kann, mache ich mir hier keine Sorgen. Was die finanzielle Abhängigkeit angeht, versteht sich von selbst, dass der Staat Wallis als nahezu alleiniger Geldgeber die Ausrichtungen der KWRO mitbestimmen kann. Auch hier sehe ich aufgrund der hervorragenden Beziehungen, die wir mit dem Gesundheitsdepartement pflegen, keinen Grund zur Sorge. Die Finanzierungsmodalitäten sind auch in Zusammenhang mit der künftigen Zusammenführung der Zentralen der Polizei und KWRO unter einem gemeinsamen Dach in Noës (Siders) zu sehen.

Bestimmte Probleme der Vergangenheit werden uns auch in Zukunft beschäftigen: Im Bericht zum Jahr 2014 wies ich darauf hin, wie gleichgültig das Parlament bestimmte Probleme bezüglich der Kontinuität und Kontrolle der Ambulanzdienste oft zur Kenntnis nimmt. Mittlerweile hat sich dieser Problemkreis auf die Luftrettung ausgeweitet, denn eines der beiden Luftrettungsunternehmen befindet sich in einer prekären finanziellen Lage.

Was die Koexistenz von Polizei und KWRO unter einem gemeinsamen Dach angeht, habe ich stets betont, dass trotz aller Vorteile dieser Gemeinschaftslösung sichergestellt sein muss, dass die Zentralen auch unter einem gemeinsamen Dach ihre Eigenständigkeit bewahren. Dies konnte nun erreicht werden. Die KWRO bleibt auch in der neuen Zentrale – welche sich weiterhin in Siders und nicht in Sitten befinden wird – voll und ganz unabhängig.

Ich habe vollstes Vertrauen in die Direktion der KWRO, dass sie es auch künftig schaffen wird, Dinge nicht nur einfach zu optimieren, sondern zukunftsweisende Projekte in die Wege zu leiten, wie sie dies kürzlich mit der App ALMA unter Beweis stellte.

Ich blicke mit grosser Befriedigung auf die letzten 12 Jahre zurück, in denen ich als Verwaltungsratspräsident dieser grossartigen Institution viele Höhepunkte erleben durfte. Dem neuen Verwaltungsrat unter der Führung von Fritz Anthamatten wünsche ich für die Zukunft viel Erfolg. Ein ganz besonderer Dank geht an das KWRO-Team mit dem Direktor Jean-Marc Bellagamba und der administrativen Verantwortlichen Annick Charbonnet. Merci für euren unermüdlichen Einsatz!

 

Pierre-André Veuthey, Verwaltungsratspräsident

Vorwort des Direktors Wie Phoenix aus der Asche

Mit dem Jahr 2016 ging für die KWRO ein Kapitel zu Ende. Doch spulen wir kurz drei Jahre zurück. Am 28. Januar 2014 reichte die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates (GPK) ihren Bericht zum dringlichen Postulat 1.260 ein, mit dem ein Audit über die KWRO verlangt wurde. Im Bericht wird unter anderem auf zwei Punkte hingewiesen: einerseits auf das potenzielle Risiko, dass bestimmte Verwaltungsratsmitglieder der KWRO gleichzeitig Richter und Partei sind, andererseits auf die extreme Untervertretung des Staates Wallis innerhalb der Generalversammlung: Obwohl der Staat die KWRO zu 70% finanziert, verfügt er in der GV nur über 5 von 75 Stimmen. Die GPK beantragte deshalb mit ihrer Motion 2.0042 die Umwandlung der Rechtsform der KWRO vom bisherigen privatrechtlichen Verein von öffentlichem Interesse in eine selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt.

Eine ausserparlamentarische Kommission mit Vertretern aus dem gesamten Walliser Rettungswesen erhielt daraufhin die Aufgabe, das Gesetz über die Organisation des Rettungswesens aus dem Jahre 1996 einer Revision zu unterziehen und die gesetzlichen Grundlagen für die Umsetzung des Vorschlags der GPK zu erarbeiten. Unter der kompetenten Führung von Viola Amherd legte die Kommission dem Grossen Rat einen Revisionsentwurf vor, der am 8. September 2016 in zweiter Lesung ohne Gegenstimme angenommen wurde. Am 21. Dezember 2016 wurde zudem die dazugehörige Verordnung verabschiedet. Am 1. Januar 2017 traten die beiden Rechtserlasse in Kraft. Seither ist die KWRO kein privatrechtlicher Verein mehr, sondern eine selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit und Sitz in der Notrufzentrale in Siders. Der neue 7-köpfige Verwaltungsrat wird von Rechtsanwalt Fritz Anthamatten präsidiert.

Der vorliegende Tätigkeitsbericht ist somit der letzte, in dem die KWRO noch ihre «alte» Form hat. Doch Nostalgie wäre fehl am Platz. Wie sagte schon Gaston Defferre, ehemaliger französischer Minister und Parlamentarier: «Nostalgie bringt nichts. Wichtig ist, dass man die Zeit richtig nutzt, denn sie lässt sich nicht aufhalten».

So wie Phoenix, der aus der Asche stieg, muss auch die KWRO ein Stück ihrer Geschichte hinter sich lassen, um sich neu zu definieren.

Es gibt noch weitere Parallelen zwischen der Phoenix-Legende und der KWRO: Bevor Phoenix sein altes Leben hinter sich lässt und verbrennt, baut er ein Nest. So hat es auch die KWRO gemacht: Bevor sie ihre alte Rechtsform ablegte, traf sie alle nötigen Vorkehrungen, um gut in ihr neues Leben als selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt zu starten.

Und so wie Phoenix, der mehrere Hundert Jahre gelebt haben soll, steht auch die KWRO für Langlebigkeit und Ausdauer. Wie schon im «früheren» Leben wird sie sich weiterhin mit Effizienz und Qualität für das Patientenwohl einsetzen – etwas, das trotz aller Veränderungen gleich bleibt.

In diesem Sinne halten wir uns an die Aussage von Prof. Peter Drucker, Politikwissenschaftler und Philosoph: «Innovation bedingt, den Willen zu haben, Veränderungen als Chance zu sehen».

 

Dr. Jean-Marc Bellagamba, Direktor

Organisation der KWRO

Die KWRO beschäftigt 33 Mitarbeitende, davon 19 Einsatzdisponentinnen und -disponenten in der Notrufzentrale (insgesamt 27.8 Vollzeitäquivalente).

Verlegungen Aushandlung der Tarife für Helikoptereinsätze

Neben der Air Zermatt und der Air-Glaciers legte auch die KWRO beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die amtlich festgesetzten Luftrettungstarife ein. Die Beschwerde der KWRO wurde vom Gericht jedoch für unzulässig erklärt. Es begründete dies damit, dass die KWRO lediglich ein indirektes Interesse in dieser Sache hat und ihr somit keine Parteistellung zukommt. Auch wenn wir die Interessen unserer beiden Partner somit nicht direkt verteidigen können, unterstützen wir diese weiterhin auf dem Weg zu einer gerechtfertigten Tarifrevision. Mit fast 4’000 Einsätzen pro Jahr sind die beiden Luftrettungsdienste ein unverzichtbares Element in unserer Rettungskette. Sollte eines der Unternehmen seine Rettungstätigkeit reduzieren oder gar ganz einstellen, hätte dies weitreichende Folgen – auch für die Ambulanzen, welche die entstandene Lücke kurzfristig füllen müssten.

Finanzielle Unterstützung der Rettungssanitäterausbildung

Das Projekt zur Unterstützung der Rettungssanitäterausbildung ging 2016 in die Umsetzungsphase. Die 11 angenommenen Dossiers zeigen, dass es sich um ein echtes Bedürfnis handelt. Die Anwärter müssen eine bestimmte Vorbildung mitbringen. Zudem sollte es sich grundsätzlich um Personen handeln, welche die Weiterbildung ohne finanzielle Hilfe nicht machen könnten, zum Beispiel weil sie bereits Familienlasten haben. Wer von der KWRO Unterstützung erhält, verpflichtet sich vertraglich, nach Erhalt des Diploms mindestens 3 Jahre in einem Walliser Rettungsdienst zu arbeiten.

Es profitieren beide Seiten: Einerseits bekommen willige Personen die Möglichkeit, sich zum Rettungssanitäter ausbilden zu lassen, andererseits erhält die KWRO auf diese Weise die Sicherheit, für die nächsten Jahre über ein Minimum an professionellen Rettungskräften im Kanton zu verfügen, was angesichts des herrschenden Sanitätermangels sehr wichtig ist.

Care Teams

Im Tätigkeitsbericht 2015 wurde auf die grosse Bedeutung der Notfallpsychologen, die von der Notrufzentrale 144 bei Erfüllung bestimmter Kriterien aufgeboten werden können, hingewiesen. Dank des grossen persönlichen Engagements der beteiligten Psychologen konnten bisher alle Einsätze abgedeckt werden – immerhin handelte es sich im Jahr 2016 um fast 50 Einsätze.

Dabei gilt es zu beachten, dass pro Einsatz meist mehrere Personen zu betreuen sind, und zwar oft mehrmals pro Einsatz. Für die Notfallpsychologen, die alle hauptberuflich einer eigenen psychologischen Tätigkeit nachgehen, bedeutet dies einen grossen Arbeitsaufwand. Sollte es zu einem Grossereignis kommen, würde das Dispositiv schnell einmal an seine Grenzen stossen, weshalb man im Jahr 2016 mit einer Rekrutierungskampagne an alle Psychologen im Kanton gelangte. Gemeinsam mit der kantonalen Dienststelle für Gesundheitswesen (DGW) und dem Kantonsarzt sowie der Association valaisanne des psychologues d’urgence (AVPU) konnte die KWRO so im französischsprachigen Kantonsteil neue Psychologen für diese wichtige Arbeit gewinnen. Im Oberwallis arbeitet man hierzu hauptsächlich mit dem Psychiatriezentrum Oberwallis (PZO) zusammen, mit dem entsprechende Gespräche geführt werden. Der Rekrutierungsprozess wird auch die nächsten Jahre noch weitergehen, damit das Dispositiv die erforderliche Mindestgrösse erreichen kann und man auch für grössere Einsätze gerüstet ist.

Für den Aufbau dieses «Care Team Wallis» wird die finanzielle Unterstützung für die notfallpsychologische Aus- und Weiterbildung verstärkt.

ALMA

ALMA ist eine neuartige mobile App, die dank Echtzeit-Informationen viel zur Effizienz bei Grosseinsätzen beiträgt. Die verbale Kommunikation wird dadurch auf das Nötigste beschränkt. Der Grossteil des Informationsaustauschs läuft über die App.

Es wurden verschiedene Schulungen durchgeführt. Als Vorreiter fungierten hier Rettungssanitäter aus dem Oberwallis.

Die flächendeckende Einführung wurde bewusst verschoben, weil die App inzwischen von einer Informatikfirma noch weiterentwickelt wurde. Ziel ist es, die App stabiler und benutzerfreundlicher zu machen, das Design zu verbessern und so insgesamt ansprechender zu gestalten.

Die KWRO plant, die App im 2. Quartal 2017 bei einem oder zwei Pilot-Rettungsunternehmen testweise einzuführen. Zudem soll die App im Verlaufe dieses Jahres auch den Kantonsärzten der Westschweizer Kantone präsentiert werden

Duales Funknetz der KWRO

Auch dieser Punkt wurde bereits im Bericht 2015 angesprochen. Es konnten leider nicht alle Arbeiten vor Beginn der Wintersaison 2016/2017 abgeschlossen werden. Da gegen Jahresende immer viel los ist in der Notrufzentrale, wollte man nicht in dieser ohnehin stressigen Zeit noch ein neues Funknetz in Betrieb nehmen. Die Inbetriebnahme wurde deshalb auf das Ende der Wintersaison, d.h. April 2017 verschoben.

Qernel

Qernel – so heisst das Qualitätsmanagementsystem der KWRO. Dieses nimmt von Woche zu Woche konkretere Formen an. Ziel ist es, unsere internen Abläufe, aber auch die Koordination mit unseren externen Partnern zu optimieren. Das Programm Qernel, das übrigens nicht auf eine Zertifizierung abzielt, stellt eine absolute Notwendigkeit dar, wenn man die Qualität im Walliser Rettungswesen langfristig gewährleisten will. Angesichts der Aufgaben, die der KWRO im revidierten Gesetz und in der Verordnung über die Organisation des sanitätsdienstlichen Rettungswesens übertragen werden, ist ein gutes Qualitätsmanagement unerlässlich. Der Aufbau von Qernel ist mit einem grossen Arbeitsaufwand verbunden und es liegt in der Natur der Sache, dass diese Arbeit im Sinne der ständigen Optimierung nie abgeschlossen sein wird. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis Ende 2018 eine erste Version unserer gesamten organisatorischen Dokumentation fertigzustellen.

Dies geschieht anhand einer vorher festgelegten Prioritätenordnung. In diesem Zusammenhang wurden im Jahr 2016 auch eine Reihe von Leistungs- und Qualitätsindikatoren definiert. Nur so lässt sich der Erreichungsgrad der Ziele bestimmen. Wie das gesamte Programm Qernel werden auch die Indikatoren bis Ende 2018 noch die eine oder andere Anpassung erfahren. Sobald diese einmal definitiv feststehen, wird man selbst geringste Abweichungen von den Soll-Werten feststellen können, sei es bei der Leistungsqualität, im Informatik- und Technikbereich, bei der Einhaltung der Normen für die Einsätze oder in Bezug auf jeden anderen Punkt, der für eine gute Aufgabenausführung relevant ist.

Audit

2016 liess die KWRO zwei Audits durch externe Experten durchführen, eines im administrativen Sektor und eines im IT-Sektor. Diese Audits verfolgten dasselbe Ziel wie Qernel: das Sicherstellen von reibungslosen Abläufen innerhalb unserer Organisation und das Aufzeigen möglicher verbesserungswürdiger Punkte. Jeder weiss, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt. Niemand kann sein eigenes Unternehmen völlig vorurteilslos beurteilen. Deshalb braucht es den Blick von aussen.

Die externen Experten gelangten unter anderem zu folgenden Erkenntnissen:

  • Die Tätigkeiten müssen in sämtlichen Sektoren der KWRO besser dokumentiert werden.

Die Direktion arbeitet gemeinsam mit der administrativen Verantwortlichen bereits seit mehreren Jahren an einem Konzept für die Dokumentationsstruktur. Mit dem Startschuss für das Programm Qernel ist man mittlerweile von der Planungs- in die Umsetzungsphase übergangen. Das Ganze ist ein langfristiger Prozess. Deshalb geht man – wie bereits weiter oben erwähnt – nach einer klar definierten Prioritätenordnung vor. Bis Ende 2018 sollte man alle Punkte unter Dach und Fach haben.

  • Die Kommunikation sowie der interne und externe Informationsaustausch haben noch Verbesserungspotenzial.

Der informelle Austausch zwischen den KWRO-Mitarbeitenden klappt zwar gut, ab 2017 werden aber zusätzlich noch verschiedene formelle Meetings eingeführt.Was die Kommunikation mit unseren externen Partnern betrifft, will man neben dem neuen Newsletter und der Überarbeitung der KWRO-Internetseite auch verschiedene elektronische Plattformen anbieten, die den Partnern einen vereinfachten Zugang zu den Daten und News unserer Organisation geben.

KWRO in Zahlen Anzahl SMUP-Einsätze

Lokale Erstversorgungsärzte, die bereits vor dem Eintreffen der Ambulanz bzw. des Notarztes auf Platz sein können

Anzahl FR-Einsätze (First Responder)

Anzahl Einsätze pro Rettungsdienst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Rückgang beim Ambulanzdienst Grächen ist darauf zurückzuführen, dass dieser Dienst gemäss neuer Ambulanzplanung nur noch für Tageseinsätze vorgesehen ist.

Bei den Ambulanzdiensten Martinach und Siders kam es aus verschiedenen Gründen zu Personalengpässen, weshalb andere Ambulanzdienste teilweise Einsätze von diesen beiden Diensten übernehmen mussten.

Die Ambulanz Entremont ist erst seit dem 20. Dezember 2016 im Dienst.,d.h. sie war im Jahr 2016 nur 10Tage in Betrieb, was di niedrige Anzahl der Einsätze erklär

 

 

 

Anzahl Einsätze für Lawinen- und Spaltenunfälle

 

 

 

 

 

Allgemeines

In diesem Kapitel präsentieren wir Ihnen die Bilanz und die Erfolgsrechnung des Geschäftsjahres 2016 der KWRO, einem Verein gemäss Artikel 60 ff. ZGB. Es gilt zu beachten, dass die KWRO per 1. Januar 2017 im Einklang mit dem revidierten Gesetz über die Organisation des Rettungswesens und der dazugehörigen Verordnung in eine öffentlich-rechtliche Anstalt umgewandelt wurde und somit künftig nicht mehr die Rechtsform eines Vereins haben wird. Der Sitz der KWRO und ihrer Notrufzentrale 144 befindet sich in Siders. Es handelt sich um die letzte Jahresrechnung des Vereins KWRO. Die Vereinsmitglieder haben an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 24. November 2016 beschlossen, alle Aktiven und Passiven per 31. Dezember 2016 auf die neue selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt KWRO zu übertragen.

Die Rechnungen werden jährlich und periodisch vom Gesundheitsdepartement und kantonalen Finanzinspektorat überprüft. Das vom Gesundheitsdepartement anerkannte Betriebsdefizit wird vollständig vom Staat Wallis übernommen, trotzdem hat sich die KWRO strikte an das jeweilige Jahresbudget zu halten.

Budget und Jahresrechnung im Vergleich

Tätigkeiten der Notrufzentrale 144 und der Administration der KWRO

 

 

Tätigkeiten der Leitstelle des hausärztlichen Notfalldienstes

 

 

Einnahmen aus Einsatztaxe Rettungsdienste

 

Hauptsächliche Abweichungen gegenüber dem Budget

Nachstehend ein paar Erläuterungen zu den Budgetposten mit den grössten Abweichungen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechnungsprüfung

Die Revisionsstelle der KWRO ist das Treuhandbüro Consultec in Siders.


Béatrice Burgener, Buchhaltung

Ziele 2017

Bestimmte Themen wurden bereits in den vorangehenden Kapiteln behandelt und werden deshalb hier nicht erneut aufgegriffen.

Risikoanalyse

Angesichts des revidierten Gesetzes und der Verordnung über die Organisation des sanitätsdienstlichen Rettungswesens muss die KWRO die Planung und das Monitoring der ihr übertragenen Aufgaben sicherstellen. In diesem Zusammenhang scheint es sinnvoll, alle Tätigkeiten der KWRO einer Risikoanalyse zu unterziehen.

Anhand der Resultate dieser Analyse können wir abklären, ob die Risiken für alle Tätigkeiten richtig eingeschätzt wurden und ob wir für die Restrisiken genügend versichert sind. Zudem ermöglicht eine solche Analyse die Erstellung und Überprüfung der Prioritätenliste für all unsere laufenden und künftigen Tätigkeiten.

Rezertifizierung der Notrufzentrale 144

Die Walliser Notrufzentrale 144 war im Jahr 2003 die erste Sanitätsnotrufzentrale der Schweiz, die vom Interverband für Rettungswesen (IVR) – dem schweizerischen Dachverband für die Qualitätssicherung im Rettungswesen – zertifiziert wurde. Da der IVR danach viele Zertifizierungsanfragen von anderen Notrufzentralen erhielt, dauerte es bis 2012, bis wir erneut erfolgreich rezertifiziert wurden. Wir befinden uns nun im normalen Rezertifizierungs-Turnus, d.h. das nächste entsprechende Audit ist für 2017 geplant. Die Anforderungen sind in den letzten Jahren aufgrund der höheren Qualitätsstandards immer mehr angestiegen. Aufgrund unserer Anstrengungen in diesem Bereich sind wir aber zuversichtlich, auch künftig die Rezertifizierung zu schaffen.

Abläufe bei Herzstillstand

Im Bericht 2015 wurde dieser Punkt bereits kurz angesprochen. Kommt es im Wallis zu einem Herzstillstand, steht ein Dispositiv aus professionellen Rettungskräften (Ambulanzen und Helikopter) und zahlreichen Laienrettern verschiedenster Rettungsbereiche bereit. Trotz der guten Organisation und dem Bestreben, eine möglichst optimale Verteilung der Retter im Kanton zu erreichen, gibt es bei den Hilfsfristen für solche Fälle noch Verbesserungspotenzial. Einige Kantone lösen dieses Problem auf innovative Weise, indem sie Leute aus der Bevölkerung, die über Reanimationskenntnisse (BLS/AED) verfügen, in das Dispositiv einbinden – mit dem Resultat, dass die Überlebensraten signifikant höher sind als im Wallis. Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen, weil es sowohl bezüglich der Ursache des Herzstillstands als auch bezüglich des langfristigen Behandlungserfolgs keine allgemeinverbindlichen Vergleichskriterien gibt.

Das Wallis denkt schon mehr als ein Jahr über die Einführung eines solchen Modells, wie es bereits in den Kantonen Tessin und Bern praktiziert wird, nach. Es wurde ein kantonales Konzept erarbeitet, das den Behörden im ersten Halbjahr 2017 präsentiert werden soll, um über die Umsetzung und die Modalitäten zu entscheiden. Gerade erst wurde bekannt, dass auch der Kanton Freiburg ein solches Modell einführen will.

Projekt zur Zusammenlegung der verschiedenen Notrufzentralen

Am 16. November 2016 hat der Staatsrat definitiv entschieden, dass alle Notrufzentralen, die unter den Nummern 112, 117, 118 und 144 erreichbar sind, unter einem gemeinsamen Dach zusammengeführt werden sollen. Der Standort steht bereits fest: Gemäss dem revidierten Gesetz über die Organisation des sanitätsdienstlichen Rettungswesens wird dieser in Siders sein, genauer gesagt im Werkhof der A9 in Noës.

Eine Arbeitsgruppe mit allen betroffenen Partnern befasst sich ab 2017 mit den finanziellen, infrastrukturellen und technischen Einzelheiten. Es handelt sich um eine weitere ausserordentliche Aufgabe, die uns während der nächsten drei Jahre in Anspruch nehmen wird. Es ist äusserst wichtig, sich die nötige Zeit zu nehmen und jeden Punkt eingehend und objektiv

auf seine Risiken und Auswirkungen hin zu prüfen, bevor Entscheide gefällt werden. Es gilt, die künftige Entwicklung unserer Organisation so gut wie möglich abzuschätzen und zu verhindern, dass sich die Notrufzentrale 144 in einer starren Struktur wiederfindet, die im Laufe der Zeit keine bedarfsgerechten Anpassungen mehr zulässt.

Berufsethische Grundsätze

Im Rettungswesen müssen oft schnelle Entscheide getroffen werden. Vielfach befindet sich der Patient in einer lebensbedrohlichen Situation, auf die er sich nicht vorbereiten konnte. Sein Urteilsvermögen kann stressbedingt mehr oder weniger stark eingeschränkt sein.

Unter diesen Umständen kommt der Berufsethik besondere Bedeutung zu: Jede Rettungskraft muss die vier Grundprinzipien «Fürsorge, Nicht-Schaden, Gerechtigkeit und – bei vorhandener Urteilsfähigkeit – Recht auf Selbstbestimmung des Patienten» verinnerlichen und anwenden. Sinn und Zweck der berufsethischen Grundsätze ist es, das Verhalten der Rettungskräfte gegenüber den Patienten, den anderen Einsatzkräften und der KWRO zu regeln. Es hat sich gezeigt, dass solche Grundsätze in bestimmten Situationen notwendig sind und eine gute Orientierungshilfe im Rettungsalltag sein können.

Deshalb hat man ein entsprechendes Dokument erarbeitet, das vor seiner definitiven Verabschiedung und Weiterleitung an alle Rettungskräfte im Kanton den Vertretern der Profi- und Laienretter, der medizinischen Kommission der KWRO und mehreren Juristen zur Begutachtung vorgelegt wurde. Alle Interessierten finden die berufsethischen Grundsätze auf unserer Internetseite www.kwro.ch.

Dank, wem Dank gebührt

Wie es sich gehört, geht unser Dank zuallererst an alle Profi- und Laienretter, auf die wir uns jederzeit verlassen können. Obwohl sie es oft mit schwierigen Situationen zu tun haben, erbringen sie hochmotiviert und engagiert Top-Leistungen für die Patienten.

Ein besonderer Dank gebührt auch der Vorsteherin des kantonalen Gesundheitsdepartements, Frau Esther Waeber-Kalbermatten, und dem Chef der kantonalen Dienststelle für Gesundheitswesen, Herr Victor Fournier, die für uns wichtige Gesprächspartner sind. Das gute Einvernehmen und die optimale Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen erlauben es der KWRO, sich in einem Klima des Vertrauens voll und ganz auf ihre Aufgaben zu konzentrieren und das Patientenwohl in den Mittelpunkt zu stellen.

Wir danken allen Mitgliedern des ehemaligen Verwaltungsrates, deren Mandat am 31. Dezember 2016 mit der Einführung der neuen Rechtsform der KWRO ausgelaufen ist. Bei allen strategischen Dossiers konnte die Direktion stets auf die Unterstützung des Verwaltungsratspräsidenten Pierre-André Veuthey und der übrigen Verwaltungsratsmitglieder zählen. Die Mitarbeit und die Ratschläge des Verwaltungsrates erwiesen sich bei den verschiedenen Projekten als sehr wichtig.

Die KWRO möchte auch ihren Mitarbeitenden ein herzliches Dankeschön aussprechen. Jeder und jede trägt einen wichtigen Teil dazu bei, dass wir uns und die Qualität unserer Dienstleistungen stetig verbessern können.

Schlusswort

Das war er also, der letzte Tätigkeitsbericht der KWRO in ihrer Form als privatrechtlicher Verein von öffentlichem Interesse. Wenn man die vorangehenden Seiten liest, wird schnell klar, wie viel in der Vergangenheit unternommen wurde, damit die KWRO der Bevölkerung ein qualitativ hochstehendes Rettungswesen bieten kann. Dies alles ebnete den Weg für einen erfolgreichen Übergang zur neuen Rechtsform und bildet ein wertvolles Erbe, das weitergetragen werden muss.

Angesichts der anstehenden Herausforderungen und gesellschaftlichen Veränderungen kam die Revision des Gesetzes über die Organisation des Rettungswesens zu einem idealen Zeitpunkt.

Bei den Herausforderungen gilt es insbesondere die Zusammenführung der Sanitäts-, Polizeiund Feuerwehrnotrufzentralen unter einem Dach zu erwähnen – ein erfolgversprechendes Projekt, das die Zusammenarbeit der beteiligten Partner in den nächsten Jahrzehnten stärkenwird.

Gesellschaftlich werden die Toleranzgrenzen immer enger gesteckt. Bei Problemen will man sofort die Namen der Verantwortlichen. Alles muss belegt und bewiesen werden können. Dies gilt auch im Rettungswesen. Aus diesem Grund ist es nötig, die Weisungen und Abläufe zu formalisieren, die Dokumentation auf dem neuesten Stand zu halten und eine kontinuierliche Qualitätskontrolle sicherzustellen.

Die Überarbeitung unserer Dokumentation ist auch eine Chance: Sie erlaubt es uns, die Aufgaben, Kompetenzen, Aus- und Weiterbildungsvoraussetzungen sowie Rechte und Pflichten jedes Einzelnen genauer zu definieren. Dies ist wichtig, damit die «neue» KWRO ihren Einsatzkräften auch künftig optimale Bedingungen für effiziente Rettungseinsätze bieten kann.

Tätigkeitsbericht 2015 Inhalt Vorwort des Verwaltungsratspräsidenten

Seitdem die KWRO vor fast 25 Jahren gegründet wurde, hat sie sich stetig weiterentwickelt. Angesichts ihrer wichtigen Aufgaben, ihrer Rolle im Rettungswesen und der immer höheren Qualitätsansprüche machte sie im Laufe der Zeit einige Veränderungen durch. So ist es nicht verwunderlich, dass auch demnächst wieder eine wichtige Veränderung ins Haus steht: die Umwandlung von einem Verein in eine öffentlich-rechtliche Anstalt. Weshalb dieser Wechsel? Einerseits verfügte der Staat Wallis als grösster Geldgeber im bisherigen Verein nur über 5 Stimmen, was rund ein Zehntel aller Stimmen ist. Andererseits ist die Vereinsform für viele Aufgaben der KWRO nicht mehr ideal.

Die Gesetzesrevision, die der KWRO ihre neue Rechtsform geben wird, hat im Grossen Rat bereits die erste Lesung hinter sich. Die Direktion der KWRO erhält mit der Umwandlung in eine öffentlich- rechtliche Anstalt mehr Autonomie, so dass sie ihre Ziele im Rahmen des verfügbaren Budgets schneller erreichen kann, ohne die bisherigen oft mühseligen Zwischenschritte. Die Partner werden in der «neuen» KWRO nicht nur in Form von Kommissionen und beratenden Gremien miteinbezogen, sondern auch einige Mitglieder des Direktionsrats stellen. Bei vielen Ereignissen dieses Jahres zeigte sich, welche Vorteile die neue Struktur in Zukunft bringen wird.

Bereits seit fünf Jahren sprechen wir davon, dass der Bezirk Entremont aufgrund seiner geographischen Ausdehnung und touristischen Wichtigkeit einen eigenen Ambulanzdienst haben sollte. In meinem Vorwort zum Tätigkeitsbericht 2013 wies ich auf die budgetären Schwierigkeiten hin,
die uns an der Umsetzung dieses Projekts hinderten. Mittlerweile sind wir in diesem Dossier jedoch weitergekommen und das Entremont verfügt nun über einen Tages-Ambulanzdienst.

Mit einer gewissen Beunruhigung nehmen wir die Schwierigkeiten der beiden vom Spital Wallis betriebenen Ambulanzdienste zur Kenntnis. Die neue Rechtsform der KWRO wird auch hier ein Vorteil sein, um schnell und direkt einen Beitrag zur Lösung dieser Probleme zu leisten.

Wie erfolgreich die KWRO selbständig etwas auf die Beine stellen kann, zeigte sich im Projekt ALMA, das vor Kurzem am Tag der Notrufnummer 144 (14.4.) offiziell vorgestellt wurde. Dabei handelt es sich um eine neue App, die im Auftrag der KWRO von zwei Mitarbeitern entwickelt wurde und die Organisation des Patientenflusses bei Grossereignissen und Katastrophen erheblich erleichtert. Die Anwesenden aus dem In- und Ausland zeigten sich bei der Präsentation des neuen Tools sehr enthusiastisch. Auch Wochen später erhalten wir noch positive Rückmeldungen und Anfragen, so dass ALMA wohl auch den Weg in die Nachbarkantone und vielleicht in noch weitere Gefilde finden wird. Hier zeigt sich das Interesse an einer unabhängigen und reaktionsschnellen KWRO jenseits jeglicher institutioneller Routine.

Meine Bilanz der letzten 12 Jahre, in denen ich das Vergnügen und die Ehre hatte, die KWRO zu präsidieren, fällt positiv aus. Sicherlich, es gab auch schwierige Momente, doch dank der Dynamik der beiden letzten Direktoren Dr. Jean-Pierre DESLARZES und Dr. Jean-Marc BELLAGAMBA konnte viel bewirkt werden. Oft prallten Privatinteressen und allgemeine Interessen aufeinander, doch was man allen KWRO-Mitgliedern zugute halten muss: Schlussendlich beugte man sich stets den allgemeinen Interessen.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um allen Mitgliedern des Verwaltungsrates – der in der neuen Rechtsform höchstwahrscheinlich ausgemustert wird – meinen Dank auszusprechen: Christian WILLA, Philipp PERREN, Doris IMESCH, Bernard SERMIER, Grégoire EPINEY und Patrick DELLA BIANCA. Es war mir eine grosse Freude, mit diesen kompetenten, engagierten und loyalen Menschen all die Jahre im Dienste einer aussergewöhnlichen Organisation zusammenzuarbeiten.


Pierre-André Veuthey, Verwaltungsratspräsident KWRO

Vorwort des Direktors

«Die beiden wichtigsten Faktoren eines Unternehmens erscheinen nicht in der Bilanz: sein Ruf und seine Mitarbeiter.» (Henry Ford)

Im Tätigkeitsbericht 2014 setzten wir uns zahlreiche komplexe und ehrgeizige Ziele für 2015. Der vorliegende Tätigkeitsbericht 2015 zeigt den erfreulichen Erreichungsgrad dieser Ziele.

Die KWRO und ihre Mitarbeitenden streben nicht nach kurzfristigen Erfolgen, sondern nach einer kontinuierlichen Verbesserung des Rettungswesens mit dem Patientenwohl im Fokus.

Alain Prost sagte einmal : «Echtes Teamwork zeigt sich im langfristigen Erfolg».Genau dieser Gedanke wird in der KWRO kultiviert, um von Jahr zu Jahr noch effizienter und leistungsfähiger zu werden.

Auch wenn die Dankesworte eigentlich an den Schluss des Berichts gehören, möchte ich bereits im Vorwort einen besonderen Dank an unsere Mitarbeitenden richten: Ohne ihr
Engagement würden wir heute nicht über ein solches Kompetenz- und Leistungsniveau verfügen. Merci!

Vielleicht hatten einige das folgende Zitat von Gandhi im Hinterkopf : «Befriedigung findet man nicht im Erfolg, sondern in der Anstrengung.»

Beim Blättern durch den vorliegenden Bericht kann man demnach nur erahnen, wie befriedigt die Mitarbeitenden der KWRO sein müssen.


Dr. Jean-Marc Bellagamba, Direktor

Meilensteine 2015 Neue Ambulanzplanung

Am 25. Februar 2015 genehmigte der Staatsrat die vom Departement für Gesundheit, Soziales und Kultur (DGSK) vorgeschlagene neue Ambulanzplanung. Darin ist insbesondere eine 2. Nachtambulanz für die Region Sitten vorgesehen (seit 1. Juli 2015 in Betrieb).

Zudem ist neu eine Ambulanz für die Region Entremont vorgesehen. Für dieses neue Dispositiv wurde analog zum öffentlichen Beschaffungswesen eine Ausschreibung vorgenommen, bei welcher das Spital Wallis den Zuschlag erhielt (auf Vormeinung des KWRO-Verwaltungsrates mit Validierung des DGSK). Übergangsmässig wurde das Dispositiv im Entremont während der Wintersaison 2015/2016 von den Ambulanzdiensten Monthey, Visp, Saastal und Mattertal im Turnus sichergestellt.

Eine weitere Änderung, welche die neue Ambulanzplanung mit sich bringt, ist die Streichung der Subvention für den Nachtdienst der Ambulanz Grächen ab 1. Januar 2016.

Verlegungen

Im Zuge der neuen Planung wurde auch bestimmt, dass die nicht dringlichen Verlegungen zwischen den Spitälern nicht mehr mit Notfallambulanzen vorgenommen werden dürfen.

Allerdings braucht es noch etwas Zeit, bis dieser Wechsel in den Köpfen aller Beteiligten angekommen ist, denn über Jahre wurden in unserem Kanton Notfalleinsätze und Verlegungen mit denselben Ambulanzen durchgeführt. Es ist wichtig, dass sich jeder bewusst wird, dass die Notfallambulanzen nicht mehr zur Verfügung stehen, wenn man einen bereits hospitalisierten Patienten z.B. für eine zusätzliche Untersuchung in ein anderes Spital bringen will. Allerdings gibt es im Moment keine befriedigende Lösung für die Verlegungen. Dadurch droht der Patientenfluss in den Walliser Spitälern ins Stocken zu geraten. Fakt ist: Irgendwie müssen diese Verlegungen organisiert werden, ansonsten bleiben die Spitäler auf ihren Patienten «hocken».

Die KWRO versucht bereits seit Jahren, diesem Problem entgegenzuwirken. Für 2016 zeichnet sich nun eventuell eine Lösung ab.

Es gilt zu beachten, dass es hier nur um die nicht dringlichen Verlegungen geht. Die dringlichen Verlegungen werden hingegen wie gehabt über das Notfalldispositiv der KWRO abgewickelt.

Revision des Gesetzes über die Organisation des Rettungswesens (GOR)

Im Nachgang zu ihrem Bericht vom 28. Januar 2014 reichte die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates die Motion 2.0042 ein, in der sie vorschlägt, die Rechtsform der KWRO von einem privatrechtlichen Verein in eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt umzuwandeln. Dies würde im Rahmen der Revision des GOR geschehen, welche folgende Ziele verfolgt:

  • Festlegung der Organisation und Abläufe
  • Klare Aufteilung der Aufgaben und Zuständigkeiten
  • Überarbeitung der Finanzierungsbestimmungen

Unter dem Präsidium von Frau Viola Amherd wurde eine ausserparlamentarische Kommission mit Vertretern sämtlicher Rettungspartner und Sprachregionen gebildet. Dieser gelang es, innerhalb eines gedrängten Zeitplans einen konsensfähigen Gesetzesentwurf vorzulegen. Die Arbeiten für das definitive Gesetz werden sich bis ins Jahr 2016, eventuell auch 2017 hinziehen.

Parallel zur Inkraftsetzung des revidierten GOR werden die Generalversammlung und der Verwaltungsrat der KWRO aufgelöst. An die Stelle der Generalversammlung tritt künftig eine
Partnerversammlung mit beratender Stimme.

eFIP

Bereits seit 2003 wird bei Rettungseinsätzen für jeden Patienten ein Einsatzprotokoll erstellt. Dieses wird kurz FIP (von französisch: fiche d‘intervention préhospitalière) oder in der elektronischen Form eFIP genannt und erfüllt einen dreifachen Zweck:

  • medizinisch-rechtliche Aspekte: Erfassung sämtlicher vom Rettungssanitäter vorgenommener Versorgungsschritte und schriftliche Information zuhanden des Arztes bzw. der Pflegefachperson, die den Patienten weiterbehandelt
  • Statistik: dient als Datenquelle für statistische Erhebungen zur Qualität der Patientenversorgung und entsprechende Korrekturmassnahmen
  • Planungsgrundlage: dient dazu, regelmässig die Übereinstimmung der aktuellen Planung mit den effektiven Gegebenheiten zu evaluieren

2009 wurde das FIP, welches zu diesem Zeitpunkt in sämtlichen Westschweizer Kantonen zur Anwendung gelangte, überarbeitet.

Ab 2013 führten Probleme mit dem Softwarelieferanten und die unterschiedlichen Wünsche und Ausrichtungen der Westschweizer Kantone dazu, dass immer mehr Kantone aus dem Projekt aussteigen. Schlussendlich blieb nur noch das Wallis übrig.

Der Kanton Waadt entschied sich 2014 beispielsweise für ein amerikanisches System, das sehr aufwendig und kostenintensiv ist.

Das Wallis entschied sich für eine Weiterentwicklung des bestehenden FIP unter Zuhilfenahme modernster Technologie. Dazu gehört vor allem das Arbeiten mit sogenannten Digital Pens, welche die handschriftlich erfassten Informationen in ein elektronisches Format umwandeln. Über ein Jahr wurde an dieser Weiterentwicklung gearbeitet. Im November 2015 wurde das neue elektronische FIP schliesslich eingeführt.

Das eFIP bietet unter anderem mehr statistisch auswertbare Informationen, mit denen das «Datawarehouse» des Walliser Gesundheitsobservatoriums (WGO) beliefert wird. Das WGO gewährleistet seinerseits eine qualitativ hochstehende Datenbearbeitung und zuverlässige Statistiken. Einige davon finden sich – quasi als Vorpremiere – im vorliegenden Bericht. Im Verlaufe des Jahres 2016 sollen die Rettungsdienste die Möglichkeit erhalten, mit einem entsprechenden Tool selber qualitätsrelevante Statistiken und Analysen zu extrahieren.

Bordinformatik

Alle Ambulanzen und Notarzteinsatzfahrzeuge im Kanton sind mittlerweile mit der neuen Bordinformatik ausgerüstet. Ein Wi-Fi-Router an Bord der Fahrzeuge stellt via SIM-Karte eine Internetverbindung her (Reichweite ca. 150-200 m) und gewährleistet über ein Tablet eine permanente Verbindung mit dem Einsatzleitsystem der Notrufzentrale 144, so dass sämtliche Einsatzdaten elektronisch ausgetauscht werden können.

Einerseits empfängt das Tablet der Ambulanz sämtliche Angaben zum Standort und Zustand des Patienten direkt aus dem Einsatzleitsystem (samt integrierter Navigation), andererseits informieren die Sanitäter die Notrufzentrale via Tablet über ihren Status (z.B. wenn sie die Basis verlassen, am Einsatzort oder im Spital eintreffen oder wieder für den nächsten Einsatz bereit sind). Seit kurzem dient das Tablet auch für das Heraufladen der Daten vom Digital Pen in das elektronische Einsatzprotokoll eFIP.

POLYCOM : Eine polyvalente Technologie

Polycom ist ein digitales Funknetz, das sich sowohl für den Sprech- als auch für den Datenfunkverkehr eignet. Die Funkkommunikation erfolgt verschlüsselt. Anstatt eines im Vornherein fest zugeteilten Funkkanals für jeden Benutzer sucht das System bei jeder neuen Verbindungsaufnahme eine freie Frequenz. Dadurch werden die Funkkapazitäten optimal ausgeschöpft. Hinzu kommt, dass mit der digitalen Technik die Qualität und die Sicherheit der Funksysteme erheblich erhöht werden. Die Verbindung zu den bestehenden konventionellen Funknetzen wäre technisch möglich, ist jedoch nicht erlaubt. Ist das Funknetz nicht verfügbar, ist mit den Endgeräten ein „Walkie-Talkie-Betrieb“ möglich.

Die KWRO kommuniziert seit dem 11. November 2015 ebenfalls über Polycom, jedoch nur eingeschränkt. Aus verschiedenen Gründen (Kosten und Datenschutz gegenüber Laienhelfern) konnten wir die bisherigen analogen Funkgeräte nicht vollständig durch Polycom ersetzen. Es fehlen rund 600 Polycom-Endgeräte. Ein weiteres Problem stellt die Kommunikation mit den Rettungshelikoptern dar, denn der Einsatz von Polycom an Bord der Helis ist mit grossen technischen und finanziellen Hürden verbunden. Um trotzdem eine lückenlose Kommunikation zwischen den Einsatzkräften und eine effiziente Einsatzabwicklung zu gewährleisten, muss das analoge System deshalb momentan noch aufrechterhalten werden.

Der grosse Vorteil von Polycom liegt darin, dass sämtliche Blaulichtorganisationen schon ab Beginn eines Ereignisses (z.B. Brand, Verkehrsunfall, Amoklauf) auf demselben Kanal kommunizieren. Dieser wird in Abhängigkeit der Einsatzregion und der Belegung der Kanäle gewählt (siehe Grafik
der Kantonspolizei).

So verfügen sämtliche Einsatzkräfte ohne Zeitverzögerung über alle wichtigen Informationen, um die entsprechenden Abläufe in Gang zu setzen und die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten.

Kommandoposten Front der Sanität (KP Front San)

Der KP Front San ist einsatzbereit. Bei einem Grossereignis wird dieser auf Platz gebracht und von folgenden Personen in Betrieb genommen: 1 Pikett-Einsatzdisponent, 1 Einsatzleiter Sanität (EL San) und 2 Mitglieder der Schnelleinsatztruppe des Zivilschutzes.

Der KP Front San ist die Zentrale der sanitätsdienstlichen Kommunikation vor Ort («an der Front») und leitet der Notrufzentrale 144 (= KP Rück) regelmässig alle wichtigen Infos weiter, um zusammen mit ihr das Rettungsmittelaufgebot zu koordinieren.

Unser KP Front arbeitet zudem eng mit dem KP Front der Kantonspolizei und dem KP Front der Feuerwehr zusammen.

Neuer Standort des Sanitätssupportfahrzeugs

Aus verschiedenen organisatorischen Gründen wurde das Sanitätssupportfahrzeug Chablais am 28. Dezember 2015 von seinem bisherigen Standort in Aigle zur Stützpunktfeuerwehr nach Monthey «gezügelt».

Bei dieser Gelegenheit wurde auch die für das Fahrzeug verantwortliche Sanitätsgruppe neu strukturiert. Neu gibt es eine Untergruppe für die Sanitätshilfsstelle und die Aufgaben/Verantwortlichkeiten wurden entsprechend neu verteilt.

Im Ereignisfall wird das Fahrzeug vom Pikettdienst der Stützpunktfeuerwehr Monthey auf Platz gebracht. Es sind rund um die Uhr zwei Chauffeure verfügbar. Am Einsatzort wird das Fahrzeug dem EL San übergeben und der Standort für die Sanitätshilfsstelle festgelegt.

Auch der Dekontaminationsanhänger wurde im Verlaufe des Jahres 2015 so weit hergerichtet, dass er im ersten Halbjahr 2016 in Betrieb genommen werden kann.

Einsatzfahrzeug KWRO

Die KWRO wird ab Frühling 2016 über ein Einsatzfahrzeug verfügen, das bei Grossereignissen mehrere Aufgaben erfüllt: provisorisches Führungsfahrzeug, bis der KP Front steht und Transport von verschiedenem Material und Koordinationsmitteln für das Führungsduo EL San und LNA.

Dank einer robusten Anhängerkupplung, die einer Zugkraft von bis zu 3 Tonnen ausgesetzt werden kann, dient das neue Einsatzfahrzeug bei Bedarf auch dazu, den Dekontaminationsanhänger auf Platz zu bringen.

Zudem können die verschiedenen Notarztdienste im Kanton auf dieses Fahrzeug zurückgreifen, falls ihr eigenes Einsatzfahrzeug über längere Zeit nicht nutzbar sein sollte.

Reorganisation der Notrufzentrale 144

Im Frühling 2015 wurden die Tätigkeiten der Notrufzentrale 144 im Sinne der ständigen Qualitätsverbesserung einem Audit unterzogen und die Qualitätsoffensive «Qernel» gestartet. Diese soll dazu beitragen, dass wir unsere Aufgaben auf lange Sicht mit konstanter Qualität wahrnehmen. Der Name wurde in Anlehnung an «Kernel» – dem elementaren Bestandteil eines jeden Betriebssystems – ausgewählt, jedoch mit einem «Q», das für Qualität steht.

Unmittelbar nach dem Erscheinen des Auditberichts im Juli 2015 wurden bereits erste Massnahmen ergriffen und eine Reorganisation der Notrufzentrale für 2016 in die Wege geleitet. Mit dieser Reorganisation werden mehrere Ziele verfolgt:

  • Intensivierung der Weiterbildung der Einsatzdisponenten der Notrufzentrale 144. Der Leiter unserer Notrufzentrale ist verantwortlich für die Organisation, die Aus- und Weiterbildung, die Abläufe, das Qualitätssicherungssystem und die administrativen Aspekte innerhalb der Zentrale. In den anderen Sanitätsnotrufzentralen unseres Landes ist dieses umfassende Aufgabenportfolio auf mehrere Personen verteilt. Es verwundert deshalb nicht, dass bei uns die Weiterbildung oft auf Kosten wichtigerer Aufgaben auf der Strecke bleibt. Deshalb muss dieser Bereich optimiert werden.
  • IT-Sicherheit, Pannenmanagement und durchgehende Gewährleistung der Notrufbearbeitung. Man weiss bereits seit langem, dass hier Handlungsbedarf besteht. Aufgrund der personell unterbesetzten IT-Abteilung musste jedoch vieles aufgeschoben werden.

Durch verschiedene Pensionierungen wurden personelle Ressourcen frei, die nun im Hinblick auf die Lösung der obgenannten Probleme umverteilt werden. Hierzu wurden zwei neue Posten geschaffen:

  • 1 IT-Techniker, der den IT-Verantwortlichen unterstützt und sich um sämtliche Hardware- und Softwareaspekte sowie um das reibungslose Funktionieren der Informatik der Notrufzentrale 144 kümmert. Der IT-Verantwortliche kann sich so vermehrt auf die IT-Strategie und allgemeine ablauf- und qualitätstechnische IT-Aspekte konzentrieren.
  • 1 Stellvertreter des Leiters der Notrufzentrale, der sich insbesondere um die Weiterbildung der Einsatzdisponenten und das Qualitätsmanagement in der Notrufzentrale kümmert.
Leistungsvertrag

2015 wurden erstmals Leistungsverträge mit den Ambulanzunternehmen abgeschlossen. Auf diese Weise sind die Rechte und Pflichten auf beiden Seiten klar geregelt. Die Verträge halten fest, was quantitäts- und qualitätsmässig von den Ambulanzdiensten erwartet wird. Zudem werden Indikatoren festgelegt, damit man die jährlichen Ergebnisse objektiv messen und nötigenfalls Korrekturmassnahmen für die Folgejahre ergreifen kann. Die Verträge werden bewusst immer nur für ein Jahr abgeschlossen, um anpassungsfähig zu bleiben. Nicht zuletzt schützt ein solches Vertragsverhältnis auch davor, dass ein Ambulanzdienst unangekündigt von einem Tag auf den anderen seinen Dienst einstellt, was die Rettungsversorgung der Bevölkerung gefährden würde.

Die KWRO möchte künftig auch mit den Notarztdiensten und den Helikopterunternehmen solche Leistungsverträge abschliessen.

Aushandlung der Tarife für Helikoptereinsätze

Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit tarifsuisse stellten die Parteien beim Gesundheitsdepartement den Antrag auf einen staatlich festgesetzten Tarif. Der Staatsrat erliess daraufhin am 9. September 2015 die Einsatztarife für die Luftrettung, wogegen die KWRO, Air-Glaciers, Air Zermatt und tarifsuisse beim Bundesverwaltungsgericht jedoch Rekurs einlegten.

Man muss sich auf ein langwieriges Verfahren einstellen, das wohl mindestens 2 Jahre dauern wird. Dies alles bedeutet neben den rechtlichen Problemen auch einen hohen administrativen Aufwand für die Buchhaltungsabteilungen der Helikopterunternehmen.

Es gilt zu bedenken, dass unsere beiden Heli-Unternehmen Air Zermatt und Air-Glaciers rund 20% aller Rettungseinsätze wahrnehmen. Sollten die Heli-Unternehmen zum Schluss kommen, dass es sich finanziell nicht mehr lohnt, Rettungseinsätze zu fliegen, wäre dies für das kantonale Rettungsdispositiv fatal, weil die terrestrischen Rettungsmittel diesen Ausfall nicht kompensieren könnten.

Unterstützung der Rettungssanitäterausbildung

Der Ärztemangel ist nichts Neues und in einigen Regionen bereits Realität. So wird es für uns zum Beispiel immer schwieriger, lokale Erstversorgungsärzte (SMUP) zu finden.

Doch auch bei den Rettungssanitätern herrscht ein akuter Nachwuchsmangel, sowohl im Wallis als auch anderswo in der Schweiz. Dies hat mehrere Gründe:

  •  Die durchschnittliche Verweildauer im Beruf beträgt bei den Rettungssanitätern nur noch 7 Jahre, einerseits aufgrund des höheren Frauenanteils, andererseits aufgrund der hohen Anforderungen des Berufs, die sich auf die Lebensqualität auswirken.
  •  Immer mehr Personen möchten Teilzeit arbeiten. Dies führt dazu, dass für die gleiche Anzahl Stellenprozente mehr ausgebildete Rettungssanitäter notwendig sind.
  •  Die Lohnbedingungen sind in vielen Kantonen attraktiver als im Wallis, weshalb viele junge Rettungssanitäter – auch wenn sie ihre Ausbildung in Walliser Rettungsunternehmen absolviert haben – in lohnmässig interessantere Gegenden abwandern.

Die KWRO hat dieses Problem zusammen mit der Dienststelle für Gesundheitswesen näher angeschaut und sich verschiedene Massnahmen überlegt, von denen eine im Jahr 2016 spruchreif sein dürfte.

Dabei geht es grundsätzlich um Folgendes: Transportsanitäter, die eine berufsbegleitende Weiterbildung zum Rettungssanitäter HF absolvieren, sollen eine finanzielle Unterstützung erhalten. Diese Unterstützung ist grundsätzlich für Personen gedacht, welche die Weiterbildung aufgrund des reduzierten Arbeitspensums von 70% ohne finanzielle Hilfe nicht machen könnten. Wer die Unterstützung erhält, verpflichtet sich vertraglich, mindestens 3 Jahre in einem Walliser Ambulanzdienst zu arbeiten.

Notfallpsychologen

Die Direktion der KWRO hielt in den Jahren 2014 und 2015 mehrere Sitzungen mit den Vertretern der Ober- und Unterwalliser Notfallpsychologen ab. Diese leisten bei psychologisch belastenden Ereignissen wichtige Arbeit und sind bei Bedarf schnell abrufbar.

Aufgrund der momentanen finanziellen Situation des Kantons ist es leider nicht möglich, so wie in den meisten anderen Kantonen ein genügend grosses und spezifisch ausgebildetes Care Team zur Betreuung der zahlreichen Opfer und/oder Angehörigen bei sanitätsdienstlichen Grossereignissen auf die Beine zu stellen. Deshalb hat die KWRO dieses Projekt vorläufig auf Eis gelegt. Trotzdem darf man dieses Thema nicht aus den Augen verlieren.

Bis ein entsprechendes Konzept steht, setzt die KWRO alles daran, die bestehenden Strukturen zu erhalten und zu unterstützen.

Leitstelle des hausärztlichen Notfalldienstes

Unsere Leitstelle ist die einzige der Schweiz, deren Hotline von Ärzten betreut wird. In den anderen Kantonen handelt es sich meist um Pflegefachpersonal oder nicht medizinisches Personal mit einer spezifischen Ausbildung. Der Vorteil unserer Lösung: Die Ärzte können in vielen Fällen direkt eine Diagnose erstellen und ein ärztliches Rezept ausstellen. Seit der Einführung der Leitstelle im Jahr 2007 werden die diensthabenden Ärzte in den einzelnen regionalen Notfalldienstkreisen dadurch massgeblich entlastet.

Allerdings erreichen immer mehr Leitstellenärzte das Pensionsalter und die Nachfolgesuche gestaltet sich schwierig. Die KWRO erinnert die Ärzteschaft regelmässig über verschiedene Kanäle – z.B. über die Walliser Ärztegesellschaft – daran, wie wichtig der Leitstellendienst ist.

Die KWRO in Zahlen

Die Statistiken werden vom Walliser Gesundheitsobservatorium WGO erstellt. Jeder verwendete Datensatz wird einer Qualitätskontrolle unterzogen. Es werden nur Daten verarbeitet, die bestimmte Kriterien erfüllen. Dadurch werden Kohärenz und Richtigkeit der Statistiken gewährleistet.

Als Datenquelle dienen die elektronischen Einsatzprotokolle. Da wir im Jahr 2015 vom alten System (FIP 2009) auf das neue eFIP wechselten und zudem während einer Übergangsphase noch auf einem Testserver arbeiteten, war die Zusammenstellung der statistischen Informationen nicht ganz einfach. Die Daten der Verlegungsambulanz des Spital Wallis konnten wir 2015 noch nicht berücksichtigen. Es kann jedoch gesagt werden, dass diese Ambulanz im vergangenen Jahr rund 850 Einsätze hatte (nicht dringliche Verlegungen).

Ausrückfrist 2015

Anzahl Einsätze nach Art und Dringlichkeitsstufe

Anzahl Einsätze nach Code Hauptproblem

eingehende und ausgehende Anrufe auf die Nummer 144

SMUP-Einsätze (lokale Erstversorgungsärzte)

Die SMUP-Ärzte teilten uns mehrmals mit, dass sie den Eindruck haben, weniger oft als früher von der Notrufzentrale aufgeboten zu werden. Wie bereits im Tätigkeitsbericht 2014 angekündigt, wurde dieses Phänomen im Jahr 2015 näher untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die SMUP-Ärzte nur rund 50% der Aufgebote der Notrufzentrale annehmen. Aufgrund fehlender Vergleichsmöglichkeiten mit den Vorjahren kann jedoch nicht gesagt werden, ob und in welchem Ausmass dies der Grund für den Rückgang der SMUP-Einsatzzahlen ist.

Die Aufgebotskriterien für die SMUP-Ärzte werden im Jahr 2016 nochmals optimiert und es
soll ein Indikator für das Aufbieten von SMUP-Ärzten eingeführt werden.

Einsätze Rettungsregionen und First Responder

Die Einsatzkräfte der Rettungsregionen wurden über 900 Mal aufgeboten. Dabei handelt es sich um Einsätze der Rettungsstationen, Rettungsspezialisten, Rettungshundeführer und Rettungstaucher.

Die Zahlen zeigen, dass diese Einsatzkräfte auch künftig unentbehrlich sind, denn sie nehmen viele wichtige Aufgaben wahr, unter anderem auch die wichtige Überbrückung der Zeit bis zum Eintreffen der Profi-Rettungskräfte mit Reanimationsmassnahmen. Es wäre sinnvoll, diese Zahlen anhand von Detailanalysen noch weiter aufzuschlüsseln. Dieser Punkt wird in die Zielsetzungen für 2016 integriert.

Lawinen- und Spaltenunfälle:
  • 28 Lawinenunfälle
  • 14 Spaltenunfälle
Bilanz per 31. Dezember 2015

Allgemeines

In diesem Kapitel präsentieren wir Ihnen die Bilanz und die Erfolgsrechnung des Geschäftsjahres 2015 der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation KWRO, einem Verein gemäss Artikel 60 ff. ZGB. Der gemeinnützige Charakter unserer Organisation wurde per Staatsratsentscheid gemäss den Bestimmungen des Gesetzes und der Verordnung über die Organisation des Rettungswesens von 1996 offiziell anerkannt. Der Sitz der KWRO und ihrer Notrufzentrale 144 befindet sich in Siders.

Die Jahresrechnung wird jeweils auch dem Gesundheitsdepartement sowie dem kantonalen Finanzinspektorat zur Überprüfung unterbreitet. Das anerkannte Betriebsdefizit wird vollständig vom Staat Wallis übernommen, trotzdem hat sich die KWRO strikte an das jeweilige Jahresbudget zu halten.

Budget und Jahresrechnung im Vergleich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hauptsächliche Abweichungen gegenüber dem Budget

Nachstehend ein paar Erläuterungen zu den Budgetposten mit den grössten Abweichungen:

Rechnungsprüfung

Die Revisionsstelle der KWRO ist das Treuhandbüro Consultec in Siders.

 


Béatrice Burgener, Buchhaltung

Ziele 2016 ALMA

ALMA ist unser neues elektronisches Tool zur Koordinierung des Patientenflusses bei Grossereignissen. Im Jahr 2016 wird es darum gehen, alle künftigen Nutzer an der Front, in den Spitälern und in der Notrufzentrale 144 zu schulen und das Tool in Betrieb zu nehmen. Wir sind überzeugt, dass ALMA auch bei unseren Partnern und Nachbarkantonen auf grosses Interesse stossen wird, denn die Patientenadministration war bisher immer ein Schwachpunkt bei Grossereignissen.

Die Attentate von Paris und Brüssel haben uns einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig ein gut funktionierendes Rettungswesen in Extremsituationen ist. Oft ist es nicht die eigentliche Patientenversorgung, die in solchen Fällen Probleme bereitet, sondern das Administrative «hintenrum», d.h. das Mit- und Rückverfolgen, wann welcher Patient wo ist und welche Behandlung er bereits erhalten hat.

Die KWRO sucht deshalb schon seit mehreren Jahren nach einer Lösung. Diese liegt nun in Form von ALMA vor. ALMA wurde von zwei Rettungssanitätern konzipiert und entwickelt, mit denen die KWRO einen Kooperationsvertrag abgeschlossen hat. Das Tool dient sowohl den Einsatzkräften an der Front als auch den rückwärtigen Entscheidungsträgern in den Führungsstäben.

ALMA bietet insbesondere folgende Vorteile:

  • Das Tool vermittelt einen Echtzeit-Gesamtüberblick, so dass man auf allen Ebenen anhand von aktuellen Informationen die richtigen Entscheide treffen kann (Rettungskräfte, Spitäler und Führungsstäbe).
  • Der Funkverkehr wird markant verringert.
  • Der Standort, die Versorgung und der Gesundheitszustand des Patienten können mit- und rückverfolgt werden.
  • Es besteht die Möglichkeit, die Daten von interkantonalen und internationalen Einsätzen zentral zu verwalten.

ALMA wird im Tätigkeitsbericht 2016 sicher ein Thema sein, da wir das Tool in diesem Jahr in Betrieb nehmen.

Duales Funknetz

Da man das digitale System Polycom im Sanitätsbereich noch nicht flächendeckend einsetzen kann, hat die KWRO entschieden, das analoge Netz in Eigenregie weiterzubetreiben und die in die Jahre gekommenen Anlagen mit kostenbewusstem Augenmass durch neue zu ersetzen. Dank einem Netz im Dualmodus (analog und digital) können wir einen sanften Übergang vom analogen zum digitalen System sicherstellen, ohne unsere Partner zu zwingen, von heute auf morgen grössere Investitionen für die Neuanschaffung von Funkgeräten zu tätigen. Neuere Funkgeräte verfügen fast immer über beide Modi.

Dekontaminationscontainer

Das Wallis ist der Kanton mit dem zweithöchsten Risiko eines Chemieunfalls. Dies rührt daher, dass es im Wallis zwei grosse chemische Produktionsstätten gibt und viele gefährliche Güter per Strasse oder Schiene quer durch den Kanton transportiert werden.

Aus diesem Grund hat der Staat Wallis auf Empfehlung der kantonalen ABC-Kommission (Kommission für atomare, biologische und chemische Gefahren) beschlossen, ein DETOX-Konzept auf die Beine zu stellen. Feuerwehr, Zivilschutz und Sanitätskräfte verfügen nun über ein gemeinsames koordiniertes Konzept in diesem Bereich. Der Kanton hat zwei Dekontaminationscontainer angeschafft, die in Visp und Monthey stationiert sind und je nach Bedarf an den Ereignisort transportiert werden.

Momentum

2016 wird die KWRO im Rahmen eines Pilotprojekts das Programm Momentum testen. Dieses wird im Tessin bereits angewendet und ermöglicht der dortigen Notrufzentrale, via App verschiedene First Responder oder Ersthelfer mit einer BLS/AED-Ausbildung (Basic Life Support/ Automatic External Defibrillation) in der Nähe eines Herzstillstands zu alarmieren. Momentum ist einer der Gründe für die sehr schnellen Hilfsfristen bei Herzstillstand-Patienten im Tessin.

Das Programm besteht aus zwei Komponenten:

Web-Komponente

Die Web-Komponente besteht aus einem öffentlichen Teil, der z.B. Informationen zu den nächstgelegenen Defibrillatoren enthält, und einem geschützten Bereich, welcher der Aktualisierung der Nutzerdaten usw. dient.

Mobile Komponente

Die mobile Komponente besteht aus einer App für IOS, Android und Windows. Registrierte Nutzer werden über diese App benachrichtigt, damit sie bei einem Notfall in der Nähe als Ersthelfer aktiv werden können. Zudem enthält die App eine Navigationsfunktion und zeigt an, wie lange man ungefähr bis zum Einsatzort braucht und wo sich die nächsten Defibrillatoren befinden.

Gesetz und Verordnung über die Organisation des Rettungswesens: Vorbereitung der Übergangsphase

Die Arbeitsverträge und anderen Verträge müssen angepasst und die Aktiven auf das neue Rechtsgebilde übertragen werden.

Tool für die Rettungsdienste zur Erstellung von Statistiken aus den eFIP-Daten / Statistiken der Leitstelle des hausärztlichen Notfalldienstes

Im Zuge der Einführung des elektronischen Einsatzprotokolls eFIP sollen die Rettungsdienste
die Möglichkeit erhalten, Statistiken aus den eFIP-Daten zu generieren.

Auch für die Leitstelle des hausärztlichen Notfalldienstes will man vermehrt Statistiken erstellen. Hier ist man auf die korrekte Datenerfassung von Seiten der Leitstellenärzte angewiesen. Zudem muss auch berücksichtigt werden, dass immer mehr Ärzte den Leitstellendienst von zuhause aus verrichten. Gemäss der Datenbank der Telefonaufzeichnungen wurden im Jahr 2015 in der Leitstelle des hausärztlichen Notfalldienstes rund 31‘000 ein- und ausgehende Anrufe gezählt.

Ausarbeitung eines Gesamtkonzepts für das Walliser Rettungswesen

Dieses Konzept muss sämtliche Dimensionen des Rettungswesens und alle Aufgaben, die gemäss revidiertem Gesetz der KWRO zukommen, abdecken.

Projekt Qernel in sämtlichen Sektoren der KWRO

Die Umsetzung der Qualitätsoffensive Qernel wird viel Zeit benötigen, denn es müssen Prozesse, Abläufe, Vorlagen, Indikatoren usw. ausgearbeitet werden. Im besten Fall wird die Umsetzung 2018 beendet sein. Parallel dazu werden zwei weitere externe Audits durchgeführt: eines für den gesamten IT-Bereich und eines für die Abläufe in der Abteilung Administration. Endziel ist es, die Funktionstüchtigkeit unserer Organisation in jeder Situation zu gewährleisten und qualitätsrelevante Abläufe zu definieren.

Einführung einer neuen Buchhaltungssoftware

Der Support für die bisherige Software läuft aus. Im Verlaufe des Jahres 2016 muss man sich deshalb für ein neues Programm entscheiden, das ab 2017 eingesetzt wird.

Abläufe bei Herzstillstand

Auf Anregung des Chefarztes der Kardiologie des Spital Wallis und der Dienststelle für Gesundheitswesen wurden im Jahr 2015 die Abläufe im Walliser Rettungswesen für Patienten mit Herzstillstand näher unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse dieser Analyse werden 2016 vorliegen und eventuell in die Erarbeitung eines neuen Konzepts münden.

Software für die Notfalldienstplanung im Unterwallis

Die Software für die Notfalldienstplanung im Unterwallis muss aus zwei Gründen angepasst werden: Einerseits sollen die verantwortlichen Ärzte der Notfalldienstkreise selber die Einsatzpläne bearbeiten können, andererseits will man das Programm durch bestimmte Statistikfunktionen ergänzen.

Revision der Aufgebotskriterien im AMPDS-System

Insbesondere sollen die Kriterien für das Aufbieten von SMUP-Ärzten und First Respondern überarbeitet werden. Die Einsatzdisponenten der Notrufzentrale werden entsprechend instruiert.

Indikator für das Aufbieten von SMUP-Ärzten

Ein zuverlässiges Monitoring in diesem Bereich kann nur durch die Anpassung des momentan verwendeten Informatikprogramms erreicht werden. Je nach Fortschritt der anderen obgenannten Projekte muss diese Anpassung eventuell bis 2017 warten.

Dank

Die KWRO dankt allen Rettungskräften und Laienrettern herzlich für ihr Engagement. Ein Dank geht auch an alle Partner, mit denen man an verschiedenen Projekten arbeitet – etwa an das Walliser Gesundheitsobservatorium (WGO), dank dessen Mithilfe man das Projekt eFIP erfolgreich umsetzen konnte.

Die KWRO-Direktion dankt im Weiteren dem Verwaltungsrat, dem Chef der kantonalen Dienststelle für Gesundheitswesen und der Vorsteherin des kantonalen Gesundheitsdepartements für die angenehme Zusammenarbeit, welche für uns eine wichtige Grundlage für eine optimale Effizienz und praxisnahes Agieren ist.

Schlusswort
Unsere Zielsetzungen für 2016 stehen jenen des Jahres 2015 in nichts nach. Hält man sich an das eingangs erwähnte Sprichwort «Befriedigung findet man nicht im Erfolg, sondern in der Anstrengung», dürfte es wiederum ein sehr befriedigendes Jahr werden.
 
Wie immer werden wir in allem, was wir tun, das Patientenwohl stets ins Zentrum unseres Handelns stellen.
 
Blicken wir noch ein bisschen weiter in die Zukunft, so steht bald ein runder Geburtstag an: Im Jahr 2017 wird die KWRO nämlich 20-jährig. Dieses Ereignis werden wir sicher nicht sang- und klanglos vorübergehen lassen. Wir freuen uns bereits heute, unseren Geburtstag zusammen mit Ihnen zu feiern.
Tätigkeitsbericht 2014 Inhaltsverzeichnis Vorwort des Verwaltungsratspräsidenten

Man sagt ja, dass sich alles im Leben wiederholt. Bestimmte Situationen, die man eigentlich lieber vermieden hätte, treten ein zweites Mal auf, weil man die Ursachen nicht am Schopf gepackt hat. Als wir im Jahr 2011 den Konkurs des Ambulanzunternehmens von Martinach hinnehmen mussten und das Spital Wallis in die Bresche sprang, hätte man eigentlich davon ausgehen können, dass es sich um eine einmalige Episode handelt – wenn da nicht ein weiteres Unternehmen besorgniserregende Signale von sich gegeben hätte.

Ich wies das Departement vorsorglich auf diese Signale hin, doch anscheinend wäre es politisch unangemessen gewesen, zu intervenieren. Im Mai 2014 teilte besagtes Unternehmen der KWRO ohne Vorwarnung mit, dass es seinen Ambulanzdienst innerhalb von 3 Monaten einstellen wird. 3 Monate! Also mussten wir im Eiltempo eine Lösung herbeizaubern. Dabei galt es eine ganze Reihe von administrativen Vorgaben zu beachten, insbesondere das analog anwendbare Verfahren des öffentlichen Beschaffungswesens, das sich in solchen Situationen alles andere als beschleunigend auswirkt. Erneut konnte mit dem Spital Wallis eine gute und dauerhafte Lösung gefunden werden. Trotz allem bleibt aber ein bitterer Nachgeschmack.

Obwohl dies freilich eine aussergewöhnliche Situation war, gab sie uns doch zu denken, gerade weil sie ja 3 Jahre zuvor schon einmal eingetreten war. Während im Oberwallis und im Chablais das System mit den privaten Ambulanzunternehmen perfekt klappt, mussten im Mittelwallis innerhalb von 3 Jahren 2 private Ambulanzdienste den Betrieb einstellen – mit all den Konsequenzen, die dies für die Walliser Bevölkerung hätte haben können. In meinem Vorwort zum Bericht 2011 schrieb ich, dass sich die Konkurrenz zwischen öffentlichen und privaten Firmen meiner Meinung nach positiv auf die Qualität auswirkt, solange Letztere ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit nachweisen können. Ohne staatliche Hilfe hat die KWRO jedoch keine Möglichkeit, die diesbezüglichen Informationen in Erfahrung zu bringen, so auch nicht im vorliegenden Fall. Die Parlamentarier haben sowohl den Konkurs des Ambulanzdienstes Martinach als auch das abrupte Ende des Ambulanzdienstes Siders mit relativer Gleichgültigkeit zur Kenntnis genommen. Ausser ein paar Reaktionen aus den betroffenen Bezirken wurde im Parlament keine einzige Frage zur künftigen Ambulanzversorgung in unserem Kanton gestellt.

Sollte man die Ambulanzdienste am Ende gar ganz verstaatlichen?

Die Reform des Gesetzes über die Organisation des Rettungswesens wird Gelegenheit bieten, auch über diese Frage zu diskutieren. Die Aufgaben der KWRO haben in den letzten 15 Jahren derart zugenommen, dass die Strukturen an ihre Grenzen stossen. Die aktuelle Rechtsform des Vereins wird dem riesigen Aufgabenspektrum nicht mehr gerecht und erlaubt keine Flexibilität bei Entscheidungen. Sie ist auch deshalb nicht ideal, weil der Staat Wallis als grösster Geldgeber in der Generalversammlung nur über 5 Stimmen verfügt. Durch die Umwandlung der KWRO in eine selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt, unabhängig von Staat und Partnern, könnte dieser Missstand behoben werden. Die Partner würden über Leistungsverträge weiterhin mit der KWRO verbunden bleiben. Dies würde mehr Flexibilität, bessere Budgetvoraussetzungen und mehr Entscheidungsfreiheit mit sich bringen. Eine solche Änderung hätte natürlich auch Nebengeräusche. Der Verwaltungsrat wäre direkt betroffen. Doch lässt man alle persönlichen Aspekte ausser Acht, kann man darin auch die Chance sehen, die KWRO frei von jeglichen Einzelinteressen ganz im Sinne ihrer Kernziele zu führen.

Ich möchte dem gesamten Team der KWRO unter der Führung von Dr. Jean-Marc Bellagamba
herzlich für die geleistete Arbeit danken. Man merkt, dass hier Leute mit Herzblut am Werk sind!
Mein Dank geht auch an die Direktion des kantonalen Gesundheitswesens für die ausgezeichnete
langjährige Zusammenarbeit.


Pierre-André Veuthey, Verwaltungsratspräsident

Vorwort des Direktors

Die KWRO arbeitet seit 2013 an mehreren Projekten, die einerseits sie selbst, andererseits das Rettungswesen als Ganzes betreffen. Dies bedeutet viel Arbeit neben dem üblichen Tagesgeschäft. Man könnte angesichts der Pendenzenliste fast den Mut verlieren, doch wie sagte Henry de Montherlant so schön : « Wer braucht schon Mut, wenn man von der Leidenschaft getragen wird ? » Der eine oder andere wird sich angesichts der Vielfalt der nachstehend beschriebenen Projekte vielleicht fragen, ob dies wirklich alles sinnvoll und notwendig sei. Wir von der KWRO beantworten diese Frage mit folgendem Zitat von Sir Winston Churchill : « Man packt die Veränderung besser am Schopf, bevor sie einen an der Gurgel packt ».

Doch genug der Zitate, jetzt wird’s konkret !

 

Dr. Jean-Marc Bellagamba, Direktor

Meilensteine 2014 Einsatzleitsystem

Im Jahr 2014 nahm die Notrufzentrale 144 ihr neues elektronisches Einsatzleitsystem (ELS3) in Betrieb. Die Unterhalts-und Weiterentwicklungskosten des alten Systems waren nicht mehr tragbar. Das Programm war zudem nicht optimal auf die sanitätsdienstlichen Bedürfnisse zugeschnitten, da es ursprünglich für die Polizei konzipiert worden war. Nach eingehenden Analysen und mehreren « Live »-Begutachtungen in anderen Sanitätsnotrufzentralen entschieden wir uns schliesslich für das System ELS3. Es handelt sich um eine Anschaffung mit doppeltem Nutzen : Einerseits werden durch ELS3 die operativen Abläufe in der Notrufzentrale verbessert, andererseits werden die Betriebskosten gesenkt. Die Investition in das neue System wird sich voraussichtlich bereits nach drei Betriebsjahren rentieren. Während der Einführungsphase haben wir allerdings gehörig Blut geschwitzt, denn – wie so oft bei der Migration von Informatiksystemen – war das ganze Unterfangen komplizierter als angenommen. Schlussendlich haben wir es aber geschafft, wenn auch mit etwas Verzögerung. Dadurch verschob sich auch die Einführung der neuen Bordinformatik in den Ambulanzen.

Die Bordinformatik besteht im Wesentlichen aus einem WiFi-Router und einem Tablet. Es handelt sich quasi um das mobile Pendant zum ELS. Die Notrufzentrale 144 sendet alle Einsatzinfos über dieses System zur Ambulanz und umgekehrt. Dadurch wird der Informationsfluss verbessert und beschleunigt. Der Datenaustausch zwischen Zentrale und Ambulanz erfolgt automatisiert, wodurch weniger Funkverkehr nötig ist.

Backup-Zentrale
Die zweite grosse Neuerung im Jahr 2014 war die Inbetriebnahme unserer Backup-Zentrale. Es konnte eine Lösung gefunden werden, die zugleich bedarfsgerecht und kostengünstig ist (CHF 70’000 Installationskosten und CHF 25’000 jährliche Unterhaltskosten).
 
Sollte die Notrufzentrale 144 in Siders aus irgendeinem Grund ausfallen, kann innerhalb kurzer Zeit eine Backup-Zentrale im Zentralinstitut der Walliser Spitäler (ZIWS) in Sitten in Betrieb genommen werden. Die Entgegennahme und Bearbeitung der Notrufe ist auch während des Umschaltprozesses ununterbrochen gewährleistet. Es ist gelungen, mit einfachen Mitteln ein effizientes System auf die Beine zu stellen, dank dem die Einsatzbereitschaft der Notrufzentrale 144 kontinuierlich gewährleistet ist – sei es in Siders oder Sitten.
Verlegungen zwischen den Spitälern

Ein weiteres wichtiges Thema im Jahr 2014 waren die Verlegungstransporte zwischen den Spitälern. Neben den eigentlichen Notfalltransporten der Dringlichkeitsstufen P1, P2 und P3 und den dringlichen Verlegungen S1 kümmern sich die Walliser Rettungsunternehmen auch um die nicht dringlichen Verlegungen S3. Die S3-Einsätze, die im Auftrag von Spitälern und anderen Gesundheitsinstitutionen ausgeführt werden, schmälern die Kapazität der Rettungsmittel für dringliche Einsätze und stellen somit ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar. Auf Anregung des kantonalen Gesundheitsdepartements nahm das Spital Wallis deshalb am 1. März 2014 eine Ambulanz in Betrieb, die ausschliesslich für S3 zuständig ist. Dies erbrachte jedoch leider nicht die gewünschte Entlastung. Obwohl solche nicht dringliche Verlegungen eigentlich einen oder mehrere Tag(e) im Voraus angekündigt werden könnten (z.B. wenn ein Spitalpatient nicht notfallmässig verlegt wird oder für eine spezifische Untersuchung in ein anderes Spital transportiert werden muss), geschieht dies bei weniger als 30% der Fälle. Die meisten S3-Verlegungen werden am selben Tag bestellt, an dem sie benötigt werden, was keine optimale Planung der Verlegungsambulanz zulässt.

Wir suchen deshalb nach neuen Wegen, wie diese Verlegungen besser geplant werden können, so dass die Kapazitäten der Notfallambulanzen nicht unter den kurzen Ankündigungsfristen leiden. Es ist vorgesehen, die Personen, welche die Verlegungen in Auftrag geben, besser zu sensibilisieren und zu informieren. Zudem soll ein effizientes Planungstool geschaffen und der Gesamtablauf näher analysiert werden.

Das Endziel ist eine komplette Trennung zwischen den Ambulanzen für notfallmässige Einsätze und jenen für nicht dringliche Verlegungen.

Einsatzprotokoll

Seit über 10 Jahren erfassen die Walliser Rettungssanitäter alle Einsatzinformationen auf einem Einsatzprotokoll mit dem Namen FIP (von franz. fiche d'intervention pré-hospitalière). Diese Daten werden in ein Programm eingespeist, das einerseits der Qualitätskontrolle dient und andererseits ermöglicht, kontinuierlich statistisch zu evaluieren, ob die Planung noch angemessen ist. Dieses Programm kam durch die Zusammenarbeit mehrerer Westschweizer Kantone zustande. Nach der Erstversion von 2003 erfolgte am 2009 ein Relaunch. Doch nach und nach zogen sich die anderen Kantone zurück und kündigten den Vertrag mit der Herstellerfirma, sei es aus wirtschaftlichen oder aus technischen Gründen.

Seit Ende 2014 ist das Wallis der einzig verbleibende Nutzer des Programms und muss somit alleine für dessen Betriebs- und Wartungskosten aufkommen. Wie in den anderen Kantonen haben auch wir uns die Frage nach einer bedarfsgerechteren und kostengünstigeren Lösung gestellt. Wir entschieden uns schliesslich für eine Variante, bei der die Papierversion des FIP weiterhin beibehalten wird, aber durch die Nutzung eines sogenannten Digital Pen gleichzeitig elektronisch abgespeichert wird. Diese Lösung, mit der bereits zahlreiche Walliser SMZ (Spitex) arbeiten, erlaubt dank moderner Technologie eine sichere Datenübermittlung vom präklinischen zum klinischen Bereich. Sie hat zudem den Vorteil, dass sich die Rettungsleute bei der Datenerfassung nicht grundlegend umgewöhnen müssen. Vier Ambulanzunternehmen haben sich für die Pilottests zur Verfügung gestellt: Sanität Oberwallis, Rettungsdienst Mattertal, HVS Martinach und die Sanität der Stadt Sitten. Die im August 2014 gestarteten Arbeiten für dieses Projekt kommen gut voran, so dass das System Mitte 2015 einführungsbereit sein dürfte.

Kantonale ABC-Kommission

Im Jahr 2009 wurde per Staatsratsentscheid die kantonale ABC-Kommission gegründet (atomare, biologische und chemische Gefahren). Diese hat verschiedene Aufgaben. Sie wählt aus den Referenzszenarien der Eidgenössischen ABC-Kommission jene aus, die für das Wallis relevant sein könnten. Sie analysiert, welche Mittel bereits vorhanden sind und wo es noch Lücken gibt und erstellt ein kantonales ABC-Konzept. Die KWRO ist Teil dieser Kommission und trägt aktiv zur Erstellung des Konzepts und der Dokumentationsbasis bei. Das Wallis ist der Kanton mit dem zweithöchsten Risiko für Chemieunfälle.

Die Analysen der kantonalen ABC-Kommission haben ein paar Schwachstellen aufgezeigt, insbesondere in Zusammenhang mit der Dekontamination. Es wurde eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus allen Blaulichtorganisationen (Gesundheitsbereich, Polizei, Feuerwehr) und dem Zivilschutz gebildet, die Massnahmen zur Schliessung der bestehenden Lücken vorschlagen soll. Dies geschieht auf zwei Ebenen : 

Einerseits auf Ebene des Materials und der Ausrüstung. Ein effizienter Selbstschutz ist das A und O für unsere Einsatzkräfte. Die Arbeitsgruppe hat hier eine kantonale Harmonisierung angestrebt. Kontaminierte Patienten, die für sich selbst, aber auch für die Einsatzkräfte und die Aufnahmeeinrichtungen eine Gefahr darstellen, gilt es bestmöglich zu dekontaminieren (siehe Attentat von Tokio, wo die meisten Kontaminierten unter den Rettungskräften zu finden waren). Die Arbeitsgruppe hat mehrere technische Lösungen näher unter die Lupe genommen, die für eine schnelle und einfache Massendekontamination in Frage kommen. Im Jahr 2015 dürfte das Walliser Dekontaminationssystem einsatzbereit sein.

Die andere Ebene, auf der man aktiv ist, betrifft die Schulung der Einsatzkräfte. Es wurden einheitliche Kursunterlagen erarbeitet, um sämtliche Einsatzpartner auf denselben Wissensstand zu bringen, was die Grundkenntnisse im Bereich von ABC-Ereignissen angeht. Neben einer einheitlichen Schulung braucht es auch ein einheitliches Einsatzkonzept, um die Koordination aller Partner im Ernstfall sicherzustellen. Zusätzlich zur Grundschulung gibt es für die Einsatzkräfte spezifische Schulungen in Zusammenhang mit ihren jeweiligen Aufgaben. Im Sanitätsbereich begannen die Schulungen im letzten Quartal 2014. Hierbei wurden alle Personen berücksichtigt, die bei einem Ereignis für die Umsetzung der Dekontamination verantwortlich sein werden, sei es spitalintern oder-extern. Alles in allem stehen wir aber erst am Anfang der Umsetzungsphase und es bleibt noch viel zu tun...

Notfallpsychologen

Emotionen gehören zu unserem Job, sowohl in der Notrufzentrale als auch am Ereignisort. Wir begegnen schwierigen Situationen meist mit kognitiver Empathie, doch manchmal kippt diese um in emotionale Empathie, was uns das Erlebte schwieriger verarbeiten lässt und sogar zu Dekompensationen oder posttraumatischen Syndromen führen kann. Glücklicherweise kommt es dank der Unterstützung von Kollegen und Nahestehenden oft gar nicht so weit. Wenn doch, dann ist es gut zu wissen, dass auch die Einsatzkräfte professionelle Hilfe in Anspruch nehmen können. Notfallpsychologen und weitere geschulte Personen leisten im Oberwallis (Care Team) und Unterwallis (Association Valaisanne des Psychologues de l’Urgence) in solchen Fällen Hilfe. Auf Anregung aus dem Oberwallis soll ein gemeinsames Konzept für beide Kantonsteile geschaffen werden – eine sinnvolle Idee, denn dadurch wird im gesamten Kanton ein hohes Qualitätsniveau und eine gemeinsame Abwicklung der notfallpsychologischen Interventionen über die Notrufzentrale 144 gewährleistet. Zudem wird verhindert, dass nicht-zertifizierte oder unqualifizierte Dritte für psychologische Hilfeleistungen aufgeboten werden. Vertreter aus dem Ober-und Unterwallis haben sich im Jahr 2014 mehrmals in der KWRO getroffen, um über ein gemeinsames Konzept nachzudenken. Diese Überlegungen werden im Jahr 2015 noch fortgesetzt und sollten in einen Entwurf münden, der dann den Behörden unterbreitet wird.

Internetauftritt

Die Kommunikation und Information sind in vielen Unternehmen ein wunder Punkt. Die KWRO verfügt zwar nicht über eine eigene Kommunikationsabteilung, achtet aber stets auf eine wohlüberlegte, massgeschneiderte Kommunikation, z.B. auf ihrer Website. Der Internetauftritt wurde vollständig überarbeitet und präsentiert sich nun als benutzerfreundliche, dynamische Informationsquelle. Dort begegnet man auch unserem Maskottchen mit dem wehenden Umhang, das für die Schnelligkeit unserer Einsatzkräfte steht. Die verschiedenen Arten der Einsatzkräfte werden auf der neuen Website detailliert vorgestellt. Neugierig geworden ? Dann nichts wie ab auf www.kwro.ch.

Leistungsvertrag

Abschliessend gilt es noch darauf hinzuweisen, dass die KWRO im Jahr 2014 einen Leistungsvertrag für die Ambulanzdienste ausgearbeitet hat, welcher die Rechte und Pflichten beider Seiten (KWRO und Ambulanzdienste) regelt und den organisatorischen Rahmen für die Zusammenarbeit bildet. Der Leistungsvertrag wurde bei den betreffenden Rettungsunternehmen in Vernehmlassung gegeben und gilt ab 2015.

Schwierigkeiten 2014 Umbruch im kantonalen Ambulanzdispositiv

Sehr überrascht musste die KWRO im Mai 2014 zur Kenntnis nehmen, dass die Air-Glaciers ihren Ambulanzdienst FXB in Siders innerhalb der nächsten 3 Monate aufgeben will. Angesichts dieser kurzfristigen Ankündigung musste schnell reagiert werden, damit der Ambulanzdienst im Bezirk Siders keinen Unterbruch erfährt. Die KWRO stellte einige ihrer Projekte und Aufgaben zurück, um sich dem « Krisenmanagement Siders » widmen zu können. Von den eingegangenen Offerten für die Fortführung des Ambulanzdienstes Siders erhielt schliesslich jene des Spital Wallis den Zuschlag. Es brauchte mehrere Monate, bis der neue Rettungsdienst das gesamte notwendige Personal rekrutiert hatte und autonom agieren konnte. In der Übergangszeit sprangen die übrigen Rettungsdienste des Kantons in die Bresche und leisteten vorbildlich Unterstützung. Insbesondere gilt es hier folgende Unternehmen zu erwähnen: Ambulanzdienst Clerc Monthey, Sanität der Stadt Sitten, Sanität Oberwallis und Ambulanzdienst Saastal. So konnte diese Krisensituation schlussendlich gut gemeistert werden. Sie führte uns aber auch vor Augen, dass wir für die Zukunft einen Leistungsvertrag mit einer klaren Kündigungsfrist zwischen KWRO und den Rettungsdiensten brauchen (siehe vorangehendes Kapitel).

Seit 10 Jahren wurde die Ambulanzplanung keiner Revision unterzogen. Darum nahm die KWRO im Jahr 2013 eine Neubeurteilung der Situation in Angriff und untersuchte, ob das Dispositiv noch mit dem effektiven Bedarf übereinstimmt. Dieses Vorhaben hatte durchaus eine gewisse Dringlichkeit, einerseits weil sich das Notfalldispositiv immer mehr auch um « nicht notfallmässige » Verlegungen kümmern muss, andererseits weil die Notfalleinsätze in den letzten 10 Jahren um mehr als 50 % zugenommen haben. Wegen der budgetären Einschränkungen des Kantons konnte 2014 noch kein definitiver Planungsentscheid gefällt werden.

Leitstelle des hausärztlichen Notfalldienstes

Ein weiterer Punkt, der einer Optimierung bedarf, ist die Entgegennahme der Anrufe auf die Nummer der Leitstelle des hausärztlichen Notfalldienstes. In der Nacht und an den Wochenenden werden die Anrufe jeweils von Ärzten in der Leitstelle entgegengenommen, die sich unter dem Dach der KWRO befindet. Tagsüber während der Woche gelangen diese nicht dringlichen Anrufe jedoch direkt in die Notrufzentrale 144 und belasten diese somit zusätzlich. Wenn man bedenkt, dass es sich insgesamt um rund 30’000 Anrufe pro Jahr handelt (davon mehr als die Hälfte tagsüber) und die Einsatzdisponenten tagsüber – im Gegensatz zu den Leitstellenärzten in der Nacht und am Wochenende – meist nichts anderes machen, als dem Anrufer die Telefonnummer des diensthabenden Arztes der Region anzugeben, wäre eine technische Lösung, mit welcher der Anrufer ohne Umweg über die Notrufzentrale 144 direkt zum richtigen diensthabenden Arzt gelangt, sicher sinnvoller.

Die Leitstelle des hausärztlichen Notfalldienstes gibt es seit 2007. Sie bringt sowohl der Bevölkerung als auch den Hausärzten Vorteile: Die Bevölkerung hat ausserhalb der Praxisöffnungszeiten stets einen kompetenten medizinischen Ansprechpartner am Telefon und kann sich Rezepte in eine ortsnahe Apotheke faxen lassen. Bei Bedarf organisiert der Leitstellenarzt eine Konsultation beim notfalldiensthabenden Arzt der entsprechenden Region. Umgekehrt ist der Notfalldienst für die Hausärzte in der Nacht und am Wochenende erträglicher geworden, seitdem es die Leitstelle gibt, weil diese ihnen einen Teil der Arbeit abnimmt. Die Zahl der Hausbesuche und Konsultationen konnte so deutlich gesenkt werden. Das Wallis ist der einzige Kanton, in dem die Leitstelle von Ärzten geführt wird.

Polycom

Die KWRO konnte ihr Ziel, das neue digitale Funknetz Polycom für den Sanitätsbereich Ende 2014 in Betrieb zu nehmen, nicht erreichen. Dies hat mehrere Gründe, von denen einige
bereits in den vorangehenden Kapiteln näher beschrieben wurden : Verzögerungen bei der Datenmigration vom alten auf das neue Einsatzleitsystem (ELS3), unerwartete Einstellung des Ambulanzbetriebs von Air-Glaciers in Siders sowie bestimmte technische Aspekte in Zusammenhang mit der Programmierung der Funkgeräte. Angesichts der Vielzahl laufender Projekte und der herannahenden Wintersaison wurde Ende 2014 entschieden, das Projekt Polycom auf 2015 zu verschieben. Diese zeitliche Verschiebung hat auch Vorteile : So werden wir die ersten (guten oder schlechten) Erfahrungen der anderen Polycom-Nutzer der Schweiz in unsere Kommunikationskonzepte einfliessen lassen können.

Die KWRO in Zahlen Einsatzstatistiken

Die Primär-und Sekundäreinsätze nahmen gegenüber 2013 insgesamt um rund 3.5 % zu.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einsätze First Responder (FR)

 

 

 

 

 

Die Aufgaben, Rechte und Pflichten der First Responder wurden in einem Leitbild klar festgelegt, was von allen Seiten begrüsst wurde.
Einsätze SMUP (lokale Erstversorgungsärzte)

2012 : 518
2013 : 372
2014 : 271

Der deutliche Rückgang der SMUP-Einsätze gibt zu denken. Im Moment haben wir keine Erklärung dafür, wie z.B. eine Neucodierung der Einsatzmittel o.ä. Es muss näher untersucht werden, weshalb die SMUP-Einsätze derart eingebrochen sind, obwohl die Gesamtzahl der Einsätze stabil geblieben ist oder sogar zugenommen hat. Den Einsatzdisponenten der Notrufzentrale, SMUP-Ärzten und First Respondern wurden die Aufgebotskriterien nochmals in Erinnerung gerufen.

Die SMUP-Ärzte sind im Wallis wie die First Responder ein sehr wichtiges Glied in der Rettungskette.Wenn die SMUP-Ärzte nur noch zu wenigen Einsätzen gerufen werden, könnte sich dies demotivierend auf sie auswirken und einige sogar zum Austritt aus dem SMUP-System bewegen.

Einsätze Rettungsregionen

Die Rettungsregionen leisteten über 700 Einsätze mit ihren Rettungskolonnen, Rettungsspezialisten, Hundeführern und Wasserrettern.

Lawinen-und Spaltenunfälle

Es gab 29 Lawineneinsätze mit insgesamt 6 Toten und 11 Verletzten.
Es gab 21 Spalteneinsätze mit insgesamt 3 Toten.

Statistik Notrufzentrale :

Eingehende Anrufe auf die Nummer 144

- 2012 : 52’457
- 2013 : 51’975
- 2014 : ca. 50’000. Aufgrund der Einführung des neuen Einsatzleitsystems gestalten sich
Zahlenvergleiche schwierig. Dies gilt auch noch für 2015. Im Jahr 2016 sollten dann wieder
verlässliche Vergleiche möglich sein.

Sanitätsdienstliche Grossereignisse

Das Dispositiv « Grossereignisse » wurde im letzten Jahr 15 Mal aufgeboten. In diesen Fällen kamen jeweils ein EL San (Einsatzleiter Sanität) und ein LNA (Leitender Notarzt) zum Einsatz. Das für solche Ereignisse ebenfalls zur Verfügung stehende Sanitätssupportfahrzeug musste im Jahr 2014 im Wallis nie aufgeboten werden. Allerdings wurde es bei einem Gebäudebrand im Kanton Waadt ein Mal als Verstärkung angefordert. Ist diese schlechte Auslastung des Sanitätssupportfahrzeugs für uns « enttäuschend » ? Nein, denn nach den vielen Grossereignissen der vorangehenden Jahre sollte man froh sein, dass 2014 für einmal ein weniger schlimmes Jahr war, denn hinter jedem Grosseinsatz stehen Menschen, Schicksale und grosses Leiden. Dies darf uns jedoch nicht zu einem Abbau des Dispositivs verleiten, denn das Ganze ist vergleichbar mit einer Versicherung : Eventuell braucht man sie längere Zeit nicht, aber wehe,wenn man im Ernstfall keine hat. Es ist unabdingbar, dass man jederzeit für ein Grossereignis gerüstet ist. In diesem Sinne wäre es auch sinnvoll, die beiden KATA-Anhänger von Visp und Sitten, die aus dem Jahr 1995 stammen und deutliche Altersspuren aufweisen, baldmöglichst zu ersetzen.

Ein kleiner Rückblick: Im Jahr 2011 beauftragte der Staatsrat die KWRO mit der Ausarbeitung und Umsetzung eines Konzepts für sanitätsdienstliche Grossereignisse (Ereignisse mit grossem Patientenanfall, die den Rahmen des Üblichen sprengen). Daraufhin wurde in der KWRO eine Vollzeitstelle für einen Einsatzleiter Sanität geschaffen. Im Jahr 2013 kam eine weitere 50 %-Stelle hinzu. Diese « Abteilung Grossereignisse » hat in Koordination mit sämtlichen Rettungspartnern ein entsprechendes Dispositiv auf die Beine gestellt und sorgt dafür, dass sich die verantwortlichen Personen in Theoriekursen und praktischen Übungen das erforderliche Wissen aneignen können. Wie die Kantonspolizei und die Feuerwehr muss auch die Sanität bei Grossereignissen einen sogenannten KP Front (Kommandoposten Front) in der Nähe des Ereignisorts einrichten, um von dort aus sämtliche Abläufe zu steuern und die Koordination mit den anderen Blaulichtpartnern sicherzustellen. Es handelt sich quasi um eine kleine Einsatzzentrale auf Rädern. Die KWRO hat im Jahr 2014 ein bestehendes Fahrzeug entsprechend umgerüstet und auf Vordermann gebracht, so dass dieses die Mindestanforderungen erfüllt, um bei Grossereignissen als KP Front SAN zu dienen.

Bilanz per 31. Dezember 2014

Allgemeines

In diesem Kapitel präsentieren wir Ihnen die Bilanz und die Erfolgsrechnung des Geschäftsjahres 2014 der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation KWRO, einem Verein gemäss Artikel 60 ff. ZGB. Der gemeinnützige Charakter unserer Organisation wurde per Staatsratsentscheid gemäss den Bestimmungen des Gesetzes und der Verordnung über die Organisation des Rettungswesens von 1996 offiziell anerkannt.

Die Jahresrechnung wird jeweils auch dem Gesundheitsdepartement sowie dem kantonalen Finanzinspektorat zur Überprüfung unterbreitet. Das anerkannte Betriebsdefizit wird vollständig vom Staat Wallis übernommen, trotzdem hat sich die KWRO strikte an das jeweilige Jahresbudget zu halten.

Budget und Jahresrechnung im Vergleich

Die Jahresrechnung stimmte 2014 erstmals in der Geschichte der KWRO zu fast 100 % mit der Budgetschätzung überein, nämlich zu 99.52 % mit Berücksichtigung der Leitstelle des
hausärztlichen Notfalldienstes und zu 99.88 % ohne letztere.

Die Details gehen aus folgender Tabelle hervor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Einsatztaxen
 
Der wichtigste Einnahmenposten der KWRO sind die Einsatztaxen, die den Rettungsdiensten und -regionen in Rechnung gestellt werden. Die nachstehende Tabelle gibt Aufschluss über die Entwicklung dieses Postens im Vergleich zum Vorjahr.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der Rückgang steht mit den tieferen Taxen in Verbindung, die seit dem 1. Januar 2014 gelten.
 
Rechnungsprüfung

Die Revisionsstelle der KWRO ist das Treuhandbüro Consultec in Siders.
 

Béatrice Burgener, Buchhaltung
 
Ausblick und Ziele 2015

Die zahlreichen Projekte des Jahres 2014 lassen bereits erahnen, dass es 2015 im ähnlichen Rhythmus weitergehen wird. Hier ein kleiner Vorgeschmack auf die anstehenden Projekte :

  1. Umsetzung der neuen Ambulanzplanung mit folgenden Neuerungen : zweite Nachtambulanz in Sitten, Tagesambulanz im Bezirk Entremont, keine Subventionierung mehr der Nachteinsätze des Ambulanzdienstes von Grächen aufgrund des geringen Bedarfs.
  2. Neues Modell für die S3-Verlegungen : Dieses muss einerseits den Bedürfnissen der Spitäler entsprechen, andererseits darf es die Kapazitäten des Notfalldispositivs nicht einschränken.
  3. Revision des Gesetzes über die Organisation des Rettungswesens und der KWRO-Statuten : Diese wird auch eine Revision der Dokumentenbasis der KWRO sowie verschiedener Prozesse und Verträge nach sich ziehen. 
  4. Einsätze : Die neue Bordinformatik der Ambulanzen muss sich im Alltag bewähren und je nachdem noch hier oder dort angepasst werden, um voll und ganz den Erwartungen unserer Rettungskräfte zu entsprechen. Polycom soll im Sanitätsbereich noch vor Beginn der Wintersaison in Betrieb genommen werden.
  5. Notfallpsychologie : Die KWRO wird noch im ersten Halbjahr 2015 ein kan tonsweites Konzept vorlegen.
  6. Das Gesetz und die Verordnung über die Organisation des Rettungswesens stellen Qualitätsanforderungen, die nicht nur für die Rettungsdienste gelten, sondern auch für die KWRO und die Notrufzentrale 144. Deshalb müssen wir ein umfassendes Qualitätsmanagementsystem auf die Beine stellen. Es handelt sich um ein langfristiges Projekt, das im Jahr 2015 startet, aber wohl erst Ende 2018 vollständig umgesetzt sein wird.
  7. Unsere Partner benötigen sehr spezifische Statistiken, einerseits im Hinblick auf die (Re)zertifizierung durch den IVR, andererseits für interne Zwecke. Auch für die KWRO selbst sind genaue Statistiken unabdingbar, um die Qualität des Dispositivs und der Dienstleistungen kontinuierlich evaluieren zu können. Bis Ende 2015 soll ein System auf die Beine gestellt werden, das es den Rettungsdiensten erlaubt, die für sie relevanten Statistiken online abzurufen. Je nach Feedback der Rettungsdienste wird das Statistikangebot in den Folgejahren weiter ausgebaut und angepasst, um bestmöglich den Bedürfnissen zu entsprechen.
  8. Die Abteilung Grossereignisse muss ihre Arbeiten und Überlegungen fortführen, um den Einsatzkräften effiziente Tools zur Verfügung zu stellen und für die verschiedenen potenziellen Szenarien in unserem Kanton gerüstet zu sein. Die vorhandenen Mittel und die möglichen Szenarien müssen aufeinander abgestimmt werden. Dazu bedarf es einer eingehenden Bedarfsabklärung punkto menschlicher und technischer Ressourcen. Ein wichtiges Element ist auch die Information und Weiterbildung der verschiedenen Einsatzkräfte, die bei Grossereignissen aufgeboten werden können.
  9. Die Revision der Helikoptertarife ist ein schwieriges Dossier, in dem auch die KWRO involviert ist. Seitdem die Tarifvereinbarung im Jahr 2011 gekündigt wurde, arbeitet man an einer Lösung. Diese wird angesichts der Komplexität des Dossiers aber wohl auch im Jahr 2015 noch nicht ganz spruchreif sein.
Dank

Die KWRO dankt allen berufsmässigen Einsatzkräften und Laienrettern herzlich für ihr Engagement.

Ein Dank geht auch an den Verwaltungsrat sowie an das kantonale Gesundheitsdepartement – insbesondere an die Dienststelle für Gesundheitswesen – für die umfassende Unterstützung und hervorragende Zusammenarbeit.

Speziell möchte die KWRO auch dem Spital Wallis und dem Zentralinstitut der Walliser Spitäler (ZIWS) danken, ohne deren Hilfe die erfolgreiche Umsetzung des Projekts « Backup-Zentrale » nicht möglich gewesen wäre.

Schlusswort

Der Patient steht stets im Zentrum unseres Handelns. Was wir auch tun, wir müssen stets das Patientenwohl als oberste Maxime sehen. Damit dies gelingt, will die KWRO auch in Zukunft motiviert und engagiert sämtliche Akteure des Rettungswesens unterstützen. Um es frei nach James Branch Cabell zu sagen : « Der Optimist behauptet, dass wir in einer Welt voller Möglichkeiten leben... und der Pessimist befürchtet, dass dies wahr ist. » Zeigen wir’s also den Pessimisten !

Tätigkeitsbericht 2013 Inhaltsverzeichnis Vorwort des Verwaltungsratspräsidenten

Bilanzen sind immer nur eine Momentaufnahme, doch sie erlauben einen Vergleich mit den vorangehenden Jahren und zeigen die Auswirkungen vergangener Entscheide und den Grad der Zielerreichung auf. Die KWRO ist zwar kein kommerzielles Unternehmen, aber ihr Leistungsangebot hängt doch von den Finanzen ab. Deshalb lassen die angekündigten Budgetkürzungen aufhorchen.

Jeder Tätigkeitsbericht ist geprägt von Hoffnungen und Ängsten. Es ist interessant – und manchmal auch erschreckend – wenn man die Tätigkeitsberichte vergangener Jahre nochmals liest und sieht, wie viele der Hoffnungen und Ängste sich tatsächlich bewahrheitet haben.

Die neue Rettungsplanung befindet sich momentan beim Staatsrat in der Vernehmlassung und gibt einen guten Überblick über die wichtigsten Punkte, die sich in den letzten Jahren im Rettungswesen herauskristallisiert haben. 80% der Einsätze der KWRO sind Ambulanzeinsätze. Im französischsprachigen Wallis gibt es momentan jedoch nicht genügend Ambulanzen. Denken wir nur an den Bezirk Entremont mit seinen drei Seitentälern und der Tourismusdestination Verbier, wo sich im Winter über 30’000 Menschen aufhalten. Diese Region wurde in der bisherigen Planung zu wenig berücksichtigt. Im Gegensatz dazu
sind die Bedürfnisse im Oberwallis gut abgedeckt. Aufgrund der budgetären Schlankheitskur, die dem Gesundheitsdepartement auferlegt wurde, wird es in naher Zukunft wohl keine zusätzliche Ambulanz fürs Entremont geben und es ist zudem zu erwarten, dass andernorts eine überflüssige Ambulanz gestrichen werden muss. Der Staat verfügt nicht mehr über genügend Mittel, um die Erreichung all unserer Zielsetzungen sicherzustellen. Trotz allem gibt es aber auch Positives zu vermelden: Dem Walliser Rettungswesen wird ein sehr hohes Qualitätsniveau attestiert und wir versuchen, diese Qualität über die Grundbedürfnisse hinaus immer weiter zu verbessern.

Einen Teil unseres Budgets müssen wir in Projekte investieren,deren Mehrwert nicht immer ersichtlich ist. Ein Beispiel dafür ist das System Polycom, das dem Wunsch des Bundes nach einem landesweit einheitlichen verschlüsselten Kommunikationssystem für die Polizei und Rettungskräfte entspricht, dessen Kosten und technologische Defizite aber doch Skepsis aufkommen lassen.

Es scheint, dass die Forderung der KWRO nach einem nachhaltigen gesetzlichen Rahmen erhört wurde. Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates stellte in ihrem Bericht unmissverständlich
fest, dass die KWRO ihre Rolle als Einsatzleiterin im Rettungswesen sehr gut wahrnehme, aber auch, dass ihre aktuelle Struktur nicht bedarfsgerecht sei. Der Vorschlag zur Umwandlung in eine öffentlichrechtliche Einrichtung wurde mit Freude zu Kenntnis genommen. Einige wunderten sich, dass man im Bericht nichts über Unregelmässigkeiten lesen konnte... vielleicht, weil es keine gab. Oder – wenn es sie denn gab – weil das Problem in den ersten Tagen des Jahres 2012 gelöst wurde.

Die KWRO erneuert schrittweise ihren Verwaltungsrat, so wie es vor zwei Jahren festgelegt wurde: Nachdem zwei Verwaltungsratssitze bereits neu besetzt wurden, erfolgt nun die Neubesetzung drei weiterer Sitze, entweder an der GV oder im Verlaufe des zweiten Halbjahres (bestimmte Ernennungen fallen in die ausschliessliche Zuständigkeit des Staatsrates).

Bei den abtretenden Mitgliedern handelt es sich um Bruno Jelk dessen Name in der Rettungswelt ein Begriff ist, sei es durch seine breite praktische Erfahrung von Europa bis Asien, sein Engagement innerhalb der IKAR oder als Präsident unserer technischen Kommission. Im Weiteren tritt mit Jean-Claude Moix ein Mann ab, der die Verbindung zur Kantonspolizei und ihrer Einsatzzentrale sicherstellte und sich stets entschlossen und trotzdem mit Fingerspitzengefühl für das gute Funktionieren unserer Institutionen eingesetzt hat. Dabei gab es zwangsläufig auch Reibungspunkte, denn die Polizei und die KWRO mögen zwar gemeinsame Ziele haben, ihre Tätigkeitsfelder unterscheiden sich jedoch. Und schliesslich Dr. Daniel Fishman, der sein grosses notfallmedizinisches Wissen nicht nur im Verwaltungsrat, sondern auch in der medizinischen Kommission einbrachte. Er verlässt das Spital Wallis und kann uns durch diese berufliche Neuorientierung leider nicht mehr länger zur Verfügung stehen.


Bis zum Ende der nächsten Verwaltungsperiode werden sämtliche Verwaltungsratssitze neu besetzt sein. Durch diese schrittweise Erneuerung wird eine gewisse Kontinuität und Effizienz garantiert, was angesichts der zunehmenden Technisierung und Regelungsdichte im Rettungswesen wichtig ist.

Auch wenn der Budgetgürtel überall enger geschnallt werden muss, sind die Zukunftsaussichten für unsere Organisation und ihre Leistungen im Dienste der Walliser Bevölkerung gut. Die Indikatoren stehen auf Grün, eine zukunftssichernde Reform ist absehbar und trotz ein paar Wolken kann die Gesamtwetterlage im Rettungswesen als gut bezeichnet werden.

RA Pierre-André Veuthey, Verwaltungsratpräsident

Vorwort des Direktors

Es gibt viel zu tun – heute mehr als gestern und weniger als morgen. So ähnlich könnte das Motto lauten, wenn man sich die vielen verschiedenen Projekte anschaut, die 2013 in Angriff genommen wurden... und bereits steht fest: 2014 wird dem vergangenen Jahr in nichts nachstehen.

All dies konnten wir nur dank des guten Arbeitsklimas schaffen, das uns erlaubt, uns auf unsere Aufgaben zu konzentrieren. Die Projekte sind zum Teil bereits abgeschlossen oder laufen noch. Sie haben zum Ziel, die Versorgung der Einheimischen und Gäste zu verbessern und die Abläufe in den Ambulanzunternehmen und in der KWRO/Notrufzentrale 144 qualitativ zu stärken und zu optimieren.

Die Ambulanzplanung wurde revidiert, um die Leistungen im Rettungswesen weiter zu verbessern. Dabei stützte man sich auf objektive Grundlagen und Indikatoren. Ziel war es, basierend auf den Grundsätzen der Gleichbehandlung, Qualität und Wirtschaftlichkeit ein bedarfsgerechtes Dispositiv für den ganzen Kanton zu schaffen. Die Umsetzung und Qualität dieses Dispositivs werden anhand objektiver und messbarer Kriterien genau mitverfolgt und bei Bedarf nehmen wir die nötigen Anpassungen vor. Parallel zur neuen Ambulanzplanung wurde auch eine neue Subventionierungsmethode ausgearbeitet, die den wiederholten Forderungen der Ambulanzunternehmen nach mehr Transparenz und Gerechtigkeit entspricht.

Etwas, was bereits seit Langem auf der To-do-Liste der KWRO steht, kann 2014 in die Tat umgesetzt werden: ein bessere Trennung von dringenden Notfalltransporten und weniger dringenden Verlegungen (z.B. zwischen den Spitälern). Immerhin werden jährlich fast 4’000 Verlegungen durchgeführt. Dadurch, dass man diese künftig mit speziell dafür vorgesehenen Ambulanzen bewerkstelligt, werden die Notfallambulanzen entlastet und diese können sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren. Im Mittelwallis hält das Spital Martinach künftig eine Ambulanz samt Besatzung bereit, die sich in erster Linie um Verlegungen kümmert. Auch die Sanität Oberwallis und Clerc Ambulances haben sich in ihren jeweiligen Regionen entsprechend organisiert. Im Jahr 2015 wird man dieses neue System evaluieren und analysieren, inwiefern sich dadurch die Kapazitäten der Notfallambulanzen verbessert haben.

All diese Verbesserungen im Bereich der Planung, der Verlegungen und der Subventionierungsmethode haben ihren Preis, nämlich rund CHF 1’500’000.-. Sie sind jedoch unabdingbar, um die Einhaltung der Qualitätsvorgaben des Interverbandes für Rettungswesen (IVR) zu gewährleisten.

Wie in vielen anderen Bereichen sind auch im Rettungswesen die Arbeitsabläufe im Ober- und Unterwallis nicht immer deckungsgleich, was nicht bedeutet, dass das eine falsch und das andere richtig ist. Es bedeutet aber, dass wir einen gemeinsamen Nenner finden müssen. So geschehen auf dem Gebiet der First Responder (FR) oder Schnelleinsatzgruppen (SEG), wo ein gemeinsames Leitbild ausgearbeitet wurde, um die Aufgaben, Pflichten, Verantwortlichkeiten und Anforderungen genau festzulegen. Nur so kann eine einheitliche Qualität sichergestellt werden. Die KWRO hat überdies vorgeschlagen, die Anzahl der FR/SEG-Mitglieder jeder Region auf der Grundlage der Einsatzzahlen der letzten Jahre, der topografischen Gegebenheiten und der Erreichbarkeit des Gebiets festzulegen, um kantonsweit über ein bedarfsgerechtes Dispositiv zu verfügen. Die Organisation und Umsetzung bleibt im Verantwortungsbereich jeder einzelnen Region.

Innerhalb der kantonalen ABC-Kommission trug die KWRO viel zur Ausarbeitung des kantonalen Dekontaminationskonzepts und zur Bestimmung der dafür notwendigen Materialien und Abläufe bei. Eine gut geregelte Dekontamination ist im Wallis – dem Kanton mit dem zweithöchsten Risiko für chemische Unfälle – besonders wichtig. Das Konzept entstand in enger Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei, dem kantonalen Amt für Feuerwesen und dem Zivilschutz, der voll in die Dekontaminationsplanung eingebunden ist. Im Jahr 2014 müssen nun die entsprechenden Schulungen und Übungen organisiert werden.

Wie bereits weiter oben angetönt, wird es uns auch in den kommenden Jahren nicht an Projekten fehlen. Zunächst gilt es, die im Jahr 2013 begonnenen Projekte abzuschliessen, darunter die neue Bordinformatik für die Rettungsfahrzeuge, das neue Einsatzleitsystem (ELS) für die Notrufzentrale, das neue Einsatzprotokoll und die standardisierten Statistiken, die von den Rettungsdiensten im Hinblick auf anstehende Rezertifizierungen verwendet werden können. Zudem ist für 2014 die Inbetriebnahme von Polycom vorgesehen. Diese ist jedoch komplex und es müssen noch viele Probleme gelöst werden.

Es dürfte also auch in Zukunft alles andere als langweilig werden!

Die KWRO sagt danke :

Die KWRO kann auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Departementsvorsteherin, dem Chef der Dienststelle für Gesundheitswesen, dem Kantonsarzt und sämtlichen Mitarbeitenden zählen.

Sie kann sich ausserdem voll und ganz auf die Unterstützung des Verwaltungsrates verlassen.

Wir danken allen Berufs- und Laienrettern sowie allen Spezialisten, die für uns im Einsatz stehen.

Und natürlich dankt die KWRO all ihren Mitarbeitenden, die im reich befrachteten Jahr 2013 viel Engagement gezeigt haben.

Das Wallis verfügt über ein qualitativ hochstehendes Rettungswesen, das es zu bewahren und immer weiter zu optimieren gilt.

Dr. Jean-Marc Bellagamba, Direktor

Erfolgsrechnung 2013

In diesem Kapitel präsentieren wir Ihnen die Bilanz und die Erfolgsrechnung des Geschäftsjahres 2013 der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation KWRO, einem Verein gemäss Artikel 60 ff. ZGB. Der gemeinnützige Charakter unserer Organisation wurde per Staatsratsentscheid gemäss den Bestimmungen des Gesetzes und der Verordnung über die Organisation des Rettungswesens von 1996 offiziell anerkannt. Der Sitz der KWRO und ihrer Notrufzentrale 144 befindet sich in Siders.

Die Jahresrechnung wird jeweils auch dem Gesundheitsdepartement sowie dem kantonalen Finanzinspektorat zur Überprüfung unterbreitet. Das anerkannte Betriebsdefizit wird vollständig vom Staat Wallis übernommen, trotzdem hat sich die KWRO strikte an das jeweilige Jahresbudget zu halten.

Budget und Jahresrechnung im Vergleich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



KWRO-Taxen

Die KWRO-Taxen beliefen sich auf CHF 2’760’262.-, budgetiert waren CHF 2’700’000.-. Die Einsatztaxen der Rettungsstationen beliefen sich auf CHF 198’186.-, budgetiert waren CHF 260’000.-.

Ambulanz-Subventionen

Für Ambulanz-Subventionen waren im Jahr 2013 CHF 3’878’000 budgetiert, effektiv ausbezahlt wurden CHF 2’943’000. Diese Abweichung von CHF 935’000 ist durch die Verzögerung der Umsetzung der neuen Ambulanzplanung bedingt.

Rechnungsprüfung

Die Revisionsstelle der KWRO ist das Treuhandbüro Consultec in Siders.

Béatrice Burgener, Verantwortliche Finanzen

Besondere Ereignisse im vergangenen Jahr Administration

Das Jahr 2013 war sehr vielfältig. Im administrativen Bereich wurden verschiedenste Dossiers behandelt :

  • neue Ambulanzplanung
  • Aushandlung der neuen Einsatztarife
  • Leistungsverträge mit den Ambulanzunternehmen
  • Leitbild und Einsatzrapport der First Responder
  • elektronisches Dokumenten-Management-System
  • neues Dienstreglement
  • Arbeitszeiterfassung der Mitarbeitenden der KWRO
  • Fakturierungsabläufe für das Sanitätssupportfahrzeug Chablais
  • neues Corporate Design der KWRO


Nicht zu vergessen: die vielen Alltagsaufgaben der Administration wie Abrechnung der Einsätze, Organisation der Ausbildung der Einsatzkräfte, Debitoren-/Kreditorenverwaltung, Buchhaltung der KWRO, Personalmanagement, Prävention, Projektmanagement, Organisation der Leitstelle des hausärztlichen Notfalldienstes, Auswertung der Einsatzprotokolle, Sekretariat usw.

2013 war ein intensives Jahr, in dem unter der neuen Direktion zahlreiche dringende Projekte in Angriff genommen wurden. Das Administrations-Team verstand es, einen Wagen nach dem anderen an die neue Lokomotive zu koppeln und den KWRO-Zug mit Volldampf auf seine Reise durch die Walliser Rettungslandschaft zu schicken, um das Wohlergehen der Patienten sicherzustellen.

Annick Charbonnet, Verantwortliche Administration

Notrufzentrale 144 : Koordination der Schweizer Luftrettung

Die Air Zermatt und Air Glaciers im Kanton Wallis, die REGA für den Rest der Schweiz, ein AAA Helikopter in Birrfeld sowie eine Maschine der Air Glaciers in Lauterbrunnen. Wer koordiniert, welcher Helikopter rückt aus, Bedürfnisse der Kantone… Alles offene Fragen die dazu geführt haben, mehrere Sitzungen zwischen dem Interverband für Rettungswesen, den Leistungserbringern und den betroffenen Kantonen durchzuführen

Ein kurzer Überblick: Im Kanton Wallis wird die Air Zermatt sowie die Air Glaciers direkt seitens der Notrufzentrale 144 aufgeboten. Das Einsatzgebiet ist in der Notfallplanung klar definiert. In Lauterbrunnen steht ein Air Glaciers Helikopter, der direkt von der REGA aufgeboten wird. Der Helikopter der Firma Alpine Air Ambulance wird seit einiger Zeit direkt von der Leitstelle 144 Aarau aufgeboten. Die REGA Zentrale in Zürich bietet ihre eigenen Helikopter, verteilt auf verschiedene Basen in der Schweiz, direkt auf. Eine einheitliche Disposition der Einsätze ist wünschenswert, ausgenommen im Kanton Wallis.

In diesen Sitzungen hat sich gezeigt, dass die Situation im Kanton Wallis bestens funktioniert und eine sehr gute Lösung für die Region darstellt. Die Kantonale Walliser Rettungsorganisation mit ihrer neutralen Sanitätsnotrufzentrale 144 unterstützt beide Walliser Unternehmungen und arbeitet eng und erfolgreich mit diesen zusammen.


Unsere Aufgabe ist es, die schnellstmögliche Hilfe zu gewährleisten. Tagtäglich stehen uns im Kanton Wallis mindestens 3 medikalisierte Helikopter in der Nacht und tagsüber bis zu 8 Maschinen zu Verfügung. Einige Grosseinsätze wie das Busunglück in Siders oder die Lawine von Bourg St. Pierre haben gezeigt, dass beide Unternehmungen in der Lage sind, zusätzliche voll medikaliserte Helikopter einzusetzen.

Bis heute werden beide Helikopterunternehmungen seitens des Kantons nicht subventioniert. Neue Tarifverhandlungen mit den Versicherern (KVG & UVG) stehen an. Es ist zudem zu erwähnen, dass die jetzigen Tarife seit 10 Jahren nicht mehr angepasst worden sind.

Als Ansprechpartner haben wir immer ein offenes Ohr für die Unternehmungen, versuchen gemeinsam Lösungen zu finden und sind glücklich über die ausgezeichnete Zusammenarbeit im Kanton Wallis.

Diego Lareida, Leiter Notrufzentrale 144

Informatik und Technik (IT)

Nach dem Übergangsjahr 2012 war 2013 ein Jahr des Anpackens.

Wir hatten das Glück, mit Dr. Jean-Marc Bellagamba über jemanden zu verfügen, der die Probleme an der Front kennt und ein Machertyp ist. Fast all unsere Abläufe und Projekte wurden kritisch unter die Lupe genommen, damit die KWRO ihre kantonale Mission noch besser wahrnehmen kann.

Es war freilich nicht immer einfach, die Vielzahl an Sitzungen und den reibungslosen Ablauf des Tagesgeschäfts unter einen Hut zu bringen. Der intensive Erfahrungsaustausch unter den Mitarbeitenden, die klaren Zielvorgagen und die Entschlossenheit der Direktion erlaubten es uns jedoch, die Zukunftsgestaltung erfolgreich in Angriff zu nehmen.

Das Wort DRINGEND ist in einer Notrufzentrale wie der unsrigen eigentlich nichts Besonderes, doch letztes Jahr begegneten wir diesem Wort auffallend oft, gerade auch in Zusammenhang mit den vielen internen Projekten.

Aber es hat sich gelohnt! Unsere Anstrengungen tragen bereits erste Früchte und vieles konnte von der Planungs- in die Umsetzungsphase überführt werden.

Die Installation eines neuen Servers mit der Bündelung aller bisherigen Server führte zu einer Vereinfachung im IT-Bereich. Diese neue kollektive Plattform erlaubt Kostenoptimierungen, ist benutzerfreundlich und wartungsarm und bietet viel Leistung und Sicherheit. Ein identischer Remote-Server wird ab 2014 als Realtime-Backup dienen.

Die bevorstehende Inbetriebnahme unseres neuen Einsatzleitsystems im Jahr 2014 wurde bei allen Schritten berücksichtigt. Dieses für den Sanitätsbereich massgeschneiderte System wird beim Unterhalt und Schnittstellenmanagement zu deutlich weniger Kosten führen. Es steht auch als Mobilversion für die Ambulanzen und SMUR-Fahrzeuge zur Verfügung. Als Ersatz des bisherigen Systems DATCOM wird es den Verantwortlichen und Akteuren des Rettungsbereichs viel mehr Möglichkeiten bieten. Die Spitäler werden im Hinblick auf die Planung von Verlegungen ebenfalls an das neue System angeschlossen.

Ende 2013 nahmen wir ein elektronisches Dokumenten-Management-System in Betrieb. Dieses erweist sich angesichts des wachsenden Dokumentenbergs als unverzichtbar. Die Suche nach Dokumenten wird dadurch beschleunigt und vereinfacht, die Nachverfolgbarkeit erhöht und die Organisation des «Papierkriegs» verbessert. Ausserdem ist mit diesem System auch ein Fern- bzw. Mobilzugriff auf die Dokumente möglich. Ein grosses Merci an Leticia Resenterra und Louis Evéquoz, die bei diesem Projekt erstmals ihr Können als Projektmanager unter Beweis gestellt haben.

2013 gingen die Überlegungen weiter, wie man die Datenerfassung bei den Einsatzprotokollen vereinfachen könnte. Dazu arbeiteten wir mit dem Walliser Gesundheitsobservatorium (WGO) zusammen und die konkrete Umsetzung dieser Überlegungen dürfte 2014 erfolgen.

Der gesamte Informatikpark ist nun auf dem neuesten Stand und die Mitarbeitenden profitieren in ihrem Arbeitsalltag von modernster Technik.

Zu guter Letzt gilt es noch das Projektmanagement-Tool zu erwähnen, das einen guten Überblick über den Stand der verschiedenen Projekte erlaubt und hilft, diese zeit- und ressourcensparend zu planen.

Ich danke allen, mit denen ich im letzten Jahr so erfolgreich zusammenarbeiten durfte und die mich bei meinen Aufgaben unterstützt haben. Auf dieser Grundlage sehe ich den künftigen Herausforderungen zuversichtlich entgegen.

Pierre-Alain Magnin, Verantwortlicher IT

Sanitätsdienstliche Grossereignisse

Eine Formel, die es auf den Punkt bringt, denn bei einem Grossereignis (Unfall, Katastrophen) ist Teamwork das Mass aller Dinge.

Nur wenn wir beides berücksichtigen – das Fachwissen und den «menschlichen Faktor», das Verhalten –, können wir die Teamleistung multiplizieren und so die gesetzten Ziele unter bestmöglichen Voraussetzungen erreichen. 

Die Führung eines Grossereignisses gelingt nur, wenn das Kompetenzniveau und Aufgabengebiet jeder Person ihrem Ausbildungsniveau entspricht. Während der Rettungssanitäter im Alltag gewöhnt ist, in einem kleinen Team zu arbeiten und dem Patienten individuell zu helfen, gilt bei einem Grossereignis eine völlig andere Ausgangslage, die streng hierarchisierte und professionalisierte Führungsstrukturen erfordert.

Innerhalb kürzester Zeit muss ein Grossaufgebot an personellen und materiellen Ressourcen bereitstehen und deren Koordination sichergestellt werden.

Bei einem alltäglichen Kleinereignis übernehmen die Rettungssanitäter und Notärzte des aufgebotenen Rettungsdienstes selber die Einsatzleitung vor Ort. Bei einem aussergewöhnlichen Grossereignis braucht es hingegen speziell geschulte Rettungskräfte, die sich vor Ort ausschliesslich um Führungsaufgaben kümmern. Nur so kann die reibungslose Kooperation zwischen allen beteiligten Rettungsdiensten und Blaulichtorganisationen (Polizei, Feuerwehr, Sanität), den Milizorganisationen wie dem Zivilschutz, den First Respondern und Schnelleinsatzgruppen, den Samaritern und evtl. der Armee sichergestellt werden.

Da die oberste Verantwortung für den Umgang mit einem Grossereignis bei den kantonalen Behörden liegt, braucht es ausserdem gesetzliche Bestimmungen mit klaren Vorgaben auf allen Führungsstufen.

Komplexe Grossereignisse verlangen professionelle Führungsstrukturen von hoher Qualität – und wie immer hat Qualität ihren Preis.


In allen Regionen der Schweiz muss heutzutage rund um die Uhr ein Team auf Pikett sein, das aus einem Einsatzleiter Sanität (EL San) und einem Leitenden Notarzt (LNA) besteht. Im Ereignisfalle wird dieses Team nach einem genau festgelegten Ablauf aufgeboten und muss innerhalb von 30 Minuten auf Platz sein, um das Sanitätsdispositiv aufzuziehen, zu dem neben EL San und LNA auch noch weitere Führungskräfte wie Chef Transport (Patiententransporte), Chef San Hist (Sanitätshilfsstelle) usw. gehören.

Damit ein 24-Stunden-Pikettdienst gewährleistet ist, gibt es neben den direkt von der KWRO angestellten EL San mehrere Rettungssanitäter der Ambulanzdienste, die ebenfalls eine Ausbildung zum EL San absolviert haben. Es ist wichtig, dass die spezifi schen Führungsaufgaben dieser Personen berufl ich anerkannt werden.

Die ersten Impulse für die Schaffung von Führungsstrukturen für sanitätsdienstliche Grossereignisse im Wallis gehen zurück auf das Jahr 2008, als der damalige Kantonsarzt Dr. Georges Dupuis den medizinischen Direktor der KWRO, Dr. Jean-Pierre Deslarzes beauftragte, ein entsprechendes Konzept auszuarbeiten.

Seitdem wurde eifrig an diesem Konzept gefeilt und geschleift, so dass es heute konkrete Formen annimmt. Es ist noch nicht alles bis ins letzte Detail umgesetzt, doch bedeutet dieses Wachsen über einen längeren Zeitraum auch, dass viele Erfahrungen aus unserem eigenen Kanton und aus den nahegelegenen Kantonen Waadt, Freibung, Genf, Jura und Neuenburg in das Konzept einfliessen konnten. Der Erfahrungsaustausch und die interkantonale Kooperation sind Schlüsselelemente des Grossereignismanagements.

Mehr denn je brauchen wir nun die uneingeschränkte Unterstützung des Parlaments und der Vorsteherin des Gesundheitsdepartements, Frau Staatsrätin Esther Waeber-Kalbermatten, denn ein gut funktionierendes Dispositiv kann nur mit dem dafür notwendigen Budget bewerkstelligt werden.

Katastrophenschutz bedeutet auch, für den Notfall vorbereitet zu sein – und die Investition in diese Vorbereitung lohnt sich !

Unter dem dynamischen Einfl uss der neuen Direktion konnten viele neue Projekte in Angriff genommen werden, die der Führung von Grossereignissen zugutekommen :

  • neue Bordinformatik für die Rettungsfahrzeuge, so dass im Ereignisfall jede Ambulanz im Kanton umgehend über sämtliche Einsatzinformationen und Erstentscheide verfügt,
  • neues Kommunikationssystem Polycom, das die Kontakte zwischen den verschiedenen Blaulichtorganisationen auf Platz vereinfacht und einen besseren Schutz der Patienteninformationen erlaubt,
  • kantonales Dekontaminations-Dispositiv für chemische Unfälle,
  • bessere Kennzeichnung der Personen mit Führungsverantwortung auf Platz,
  • Einsatzbereitschaft des KP Front SAN (sanitätsdienstlicher Kommandoposten vor Ort). Bei einem Grossereignis zählt jede Sekunde. Dies gilt auch für die Kommunikation. Es verträgt keine Verzögerungen aufgrund unorganisierter Kommunikationsabläufe. Deshalb müssen alle Informationsfäden in einem zentralen Kommandoposten zusammenlaufen.


Wir müssen für die Herausforderungen der nächsten 10 bis 15 Jahre gewappnet sein. Die Zahl der sanitätsdienstlichen Grossereignisse wie die Bus- oder Zugsunfälle von Orsières, Reckingen, Fiesch und Siders wird künftig wahrscheinlich weiter steigen. Der Busreiseverkehr auf unseren Strassen und Autobahnen wird zunehmen, insbesondere auf den Alpenpässen. Es ist auch mit einem vermehrten Aufkommen von Touristen aus Schwellenländern (z.B. osteuropäische Länder) zu rechnen, deren Fahrzeuge oft Sicherheitsmängel aufweisen. Angesichts der vielen möglichen Gefahren (Strassen- und Bahntunnels, Transport von gefährlichen Gütern auf Strasse und Schiene, risikobelastete Chemiestandorte usw.) muss unser Kanton wachsam sein und optimale Strukturen für den Umgang mit allfälligen Grossereignissen schaffen.

Es gilt, Entscheidungsübungen mit möglichst praxisnahen Szenarien auszuarbeiten, um mit den Abläufen vertraut zu werden und für den Ernstfall gerüstet zu sein.


Alain Rittiner und Félix Saxer, Einsatzleiter Sanität KWRO

Siehe auch